Posts filed under ‘Gastbeiträge’

„Cycling for Libraries“ @Zukunftswerkstatt

Wir freuen uns sehr, die (finnischen) Kollegen und Initiatoren der 1. Cycling Unconference „Cycling for Libraries“ Jukka Pennanen und Mace Ojala am Dienstag ab 14:00 h auf unserem Stand begrüßen zu können, wo sie über ihre Erfahrungen auf ihrer Radtour von Kopenhagen nach Berlin sprechen werden. Mace Ojala wird die Ergebnisse „seiner Aufgabe“ während der Radtour präsentieren und sicher viele tolle Erlebnisse im Gepäck haben von den 650 km rollender Unconference. Wenn Sie mehr zu der „Aufgabe“ von Mace Ojala wissen möchten lesen Sie einfach direkt weiter, was Mace selbst dazu erzählt:

Cycling for libraries is an unique bicycling conference for librarians, and library lovers. A group of (almost) 100 librarians will start from Copenhagen on 28th of May, and after a 650km journey to Berlin will merge to the 100th Deutscher Bibliothekartag.

It is not just a pleasurable joyride through the absolutely beautiful countryside of Denmark and Germany. Cycling for libraries is a hardcore conference for library professionals, and other people close to the profession. The theme is „Librarians on the move“ and topics include Open Data, library as a public space, communication with library-users, library as an export product, extending our skills and the role of libraries in rural areas. The format of the (un)conference is special: minimal auditorium sessions and minimal amount of powerpoints. Networking, discussions, workshops and staying on the move are much more important.

As part of the concept, the participants get some homework. They must formulate themselves a personal task or a challenge, for which they must find a solution during Cycling for libraries.

Quelle: Mace Ojala

We, the organizers of Cycling for libraries are no exception – we get the same homework too. As my personal task, i have chosen to try to identify four different game-mechanics that operate in the library. My task is based on the view that humans are curious, reward-driven animals. Analyzing and adjusting „game rules“ fascinates me. An example of such ruleset are library user regulations, and how they affect the behaviour of people and organizations too. I’m strongly inpired by the idea of „gamification“, and the work of Jane McGonigal.

I am really looking forward to presenting my findings and the process itself at the 100th Deutscher Bibliothekartag in Berlin, with big thanks to Zukunftwerkstatt. See you there!

Mace Ojala

Thank you Mace! We are looking forward to see you in Berlin!

Wer die Anmeldung für die Radtour verpasst hat, kann sich hier noch für das „Berlin Seminar“ am Montag anmelden. Dieses 1-tägige BarCamp steht unter dem Motto Traditionen im Wandel – Bibliothekare in Bewegung und wird im Zuse-Institut in Berlin-Dahlem stattfinden. Oder Sie kommen am Dienstag um 14:00h in den Raum Paris um sich von den Erlebnissen und Ergebnissen berichten zu lassen und mit den Initiatoren direkt ins Gespräch kommen zu können.

Danksagung:

Nur durch die Unterstützung unserer Spender und Sponsoren, die uns den Freiraum für unsere Aktivitäten schaffen, ist es möglich ein so interessantes Programm mit spannenden Gästen anzubieten. Wir möchten uns ganz besonders herzlich für die Unterstützung bedanken bei:

16. Mai 2011 at 09:15 2 Kommentare

Wuppen11

Der 1. Zukunftsentwicklerworkshop

Vereint durch den Wunsch, die Arbeit der Zukunftswerkstatt tatkräftig zu unterstützen, reisten neun Kollegen aus denkbar unterschiedlichen Einsatzbereichen und Fachhintergründen zum weltersten Zukunftsentwicklerworkshop ins Bergische an. Das von Julia Bergmann perfekt vorbereitete Wochenendseminar fand vom 21.-23.1.2011 im CVJM in Wuppertal statt. Dass droben auf einem Berg just an diesem Wochenende alles tief verschneit war, unterstrich den Charakter einer Klausurtagung ganz wunderbar.

Ein fröhlicher Kennenlernabend inklusive feierlicher Schlüsselband-Verleihung durch Julia an jeden neuen Zukunftsentwickler, der die Schwelle zur “Pinte” übertrat, bildete den Auftakt für ein produktives und spannendes Wochenende, an dem Julia, Christoph, Cordula, Petra, Iris, Wolfgang, Bernd, Jochen und Marion sich so richtig in die Arbeit knieten. Im Geiste dabei waren natürlich auch Jin und Andreas, die wir sehr vermisst haben.

Der Samstag begann mit einer Übersicht über laufende und geplante Projekte der Zukunftswerkstatt. (Es füllte sich dabei Flipchartblatt um Flipchartblatt…die “Frischlinge” fragten sich spätestens beim Mittagessen, ob Julia und Chris noch so etwas wie Privatleben haben…)

Impressionen vom Worshop der Zukunftsentwickler in Wuppertal

Ein Schwerpunkt bildete die aktuelle Planung der Aktivitäten für den 100. Bibliothekartag in Berlin im Juni 2011. Neben dem schon etablierten Smartphone-Happening werden in diesem Jahr E-Book-Reader vorgestellt. Interessierte können am Stand der Zukunftswerkstatt die verschiedenen Endgeräte testen und sich erklären lassen. Wir erkannten: viele verschiedene Events müssen zeitlich koordiniert und organisiert werden – eine lohnende, aber komplexe Aufgabe!

Am Nachmittag vertieften wir die Materie und diskutierten Kernpunkte der Planung, bis der Kopf rauchte. Da kam das abendliche körperliche Ausgleichsprogramm sehr gelegen:: Kegeln! Sonst nur an der Wii gespielt, durften einige Teilnehmer endlich die Real-Life-Version ausprobieren und in den Kollegen schlummernde Talente entdecken. Eine Mords-Gaudi, die ab jetzt bei jedem Entwickler-Treffen eingeplant werden sollte!

Frisch ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen an den Feinschliff, der die virtuelle Zusammenarbeit der Zukunftsentwickler bis zum nächsten Treffen sehr vereinfachen wird. Alle Anwesenden genossen den Gedankenaustausch sehr und stellten zahlreiche Gemeinsamkeiten fest.

Die Zeit verging wie im Fluge, so dass wir schließlich nach zweieinhalb produktiven Tagen frisch motiviert und gestärkt wieder unsere jeweiligen Hauptbeschäftigungsstätten aufsuchten.

Bleibt zu wünschen, dass sich viele weitere Zukunftsentwickler und Zukunftshelfer finden, so dass die Initiative der Zukunftswerkstatt weitere Kreise ziehen und Veränderungen anschubsen kann. Das nächste Zukunftsentwicklertreffen (“Wuppen11”) ist für Juli – wieder im gut erreichbaren Wuppertal – geplant 😮

Wir sind gespannt und freuen uns auf Zuwachs!

31. Januar 2011 at 17:48 Hinterlasse einen Kommentar

Gastbeitrag: „The Future of Gaming – eine Wolke voller Spiele!?“ von Cordula Nötzelmann

Bibliotheken und Computerspiele – zwei Begriffe, die gegenwärtig noch nicht unmittelbar miteinander in Verbindung gebracht werden. Für den einen sind Games – dank der häufig polemisch geführten öffentlichen Debatte – der Inbegriff des Bösen und der natürliche Feind des Bildungsauftrags, für eine wachsende Zahl von heranwachsenden und bereits erwachsenen Menschen jedoch ein selbstverständlicher Teil ihres Alltagslebens, der im Medienangebot einer Bibliothek anzutreffen erwartet wird.

Dort werden – je nach Nachfrageorientierung – Computergames zwar in Form physischer Ausleih-Bestände bereit gehalten; die Zahl der Bibliotheken, die medienpädagogisch begleitete Veranstaltungen mit Games in ihre Programmarbeit (1) aufgenommen haben, ist in Deutschland jedoch recht übersichtlich. In diesem Zusammenhang ist die Rede häufig von Serious Games, also Spielen, die den Zweck der spielerischen Vermittlung von Lerninhalten verfolgen und nicht dem puren Freizeitspaß dienen.

Wenn man die Anerkennung der Relevanz von Computerspielen für das Medienangebot und die Programmarbeit von Bibliotheken an dieser Stelle vorausgesetzen darf, lohnt es sich, den Aspekt des Zugangs zu Games näher zu betrachten, der sich zur Zeit grundlegend zu wandeln scheint.

Während die neue Generation von Konsolenspielen auf immer weniger Hardware angewiesen ist, verzichtet der vor rund zwei Monaten in den USA gestartete und für Furore sorgende Streamingdienst Onlive ganz darauf, den Gamern die Anschaffung immer leistungsfähigerer PCs bzw. Konsolen zuzumuten. Man braucht einen Rechner mit Breitband-Internetverbindung und einen Account – und per Cloud Computing (2) kann man sich – nach Installation einer kleinen Applikation und für einen monatlichen Pauschalbetrag – in eine dezentral auf Onlive-Servern liegende Spielebibliothek begeben. Die Produkte aller großen Spielehersteller sind bei dem neuen Anbieter zu finden oder werden es perspektivisch sein. Der Spiegel (3) bringt es auf den Punkt:

Computerspielen so einfach wie Fernsehen – das verspricht der neuartige Videogames-Abodienst Onlive, der auf der Spielemesse Electronic Entertainment Expo (E3) offiziell in den USA gestartet ist. Die Firma aus Palo Alto in Kalifornien bietet das Streaming von Spielen aus dem Internet an. Eine Idee, die die Games-Branche revolutionieren könnte – wenn sie funktioniert.

Der Dienst wurde mittlerweile mehrfach auf Performanz bei großen Datenmengen, besonders im Hinblick auf unerwünschte Zeitverzögerungen bei rasch erforderlichen Spielzügen, aber auch auf Angebotsbreite und -tiefe getestet (4). Die Vor- und Nachteile des Streamingdienstes werden im Web 2.0 umfangreich kommentiert (5) – allein die Suche auf Twitter (6) wirft fast minütlich neue Kommentare und Demos – hauptsächlich aus den USA und Asien, aber auch aus Europa – aus.

Auch hierzulande ist man mittlerweile auf die neue Zugangsmöglichkeit zu den sonst nur auf CD oder DVD erhältlichen Computergames aufmerksam geworden, allerdings nicht von seiten der Bibliotheken. Dass der vernetzte Online-Zugang zu medialen Inhalten gegenüber einer bestandsorientierten lokalen Datenhaltung als Aufgabe von Bibliotheken zunehmend an Bedeutung gewinnt, wäre dabei keine neue Erkenntnis: Bibliotheken bieten eBooks zum Download – ob kommerziell oder Open Access – an, kaufen Lizenzen für die elektronischen Ausgaben bzw. Archiven von Zeitschriften, investieren in Datenbankangebote – nichts anderes wäre nun dank neuer Vertriebsmodelle wie das von Onlive auch für die Bereitstellung von Computergames denkbar.

Bibliotheken mit einem Spiele-Angebot haben häufig mit technischen Hürden zu kämpfen: Große Spielehersteller belegen viele ihrer Produkte mit einem Kopierschutz, der für den kommerziellen Vertrieb Sinn machen mag – für den Ausleihbetrieb in einer Bibliothek wird das Spiel jedoch dadurch unbrauchbar, denn Online-Registrierungen funktionieren beispielsweise nicht öfter als fünf Mal, für weitere Installtationen an weiteren Nutzer-PCs ist das Lizenzmodell nicht vorgesehen. Die Anschaffung der oftmals hochpreisigen Produkte fällt damit für Bibliotheken aus, auch wenn die Spiele gerade topaktuell und die Nachfrage extrem hoch ist.

Sollte sich die neue Art des Spielens “in der Wolke” durchsetzen, könnte nicht heute oder morgen, aber vielleicht übermorgen ein Onlive-Abo der Bibliothek

* dies den großen Anteil bisher nicht erschlossenen Bevölkerungsgruppe von Computerspielern, also auch zukünftigen Steuerzahlern die Mitgliedschaft in der Bibliothek schmackhaft machen

* es der Bibliothek ersparen, in einen Bestand zu investieren, der zwangsläufig immer rudimentär bleibt bzw. durch Sicherheitslücken und hohe Nachfrage dezimiert ist und darüber hinaus naturgemäss niemals alle Spielerinteressen abdecken kann

* bestehenden Onlive-Kunden es erleichtern, in der Bibliothek an Spiele-Events, z.B. Mehrspieler-Turnieren, teilzunehmen.

Onlive hat angekündigt (7), seinen Streamingdienst perspektivisch auf das mobile Web, zunächst auf iPhone und iPad auszuweiten. Darüber, welche wirtschaftlichen und technischen Auswirkungen das Angebot von Onlive und den zweifelsfrei noch nachziehenden Alternativanbietern auf die herkömmlichen Vertriebswege, den Einzelhandel oder auch die Langzeitarchivierung des Kulturguts Computerspiel haben wird (8), gibt es zahlreiche Spekulationen. Bibliotheken könnte das Modell aus praktischer Sicht sicherlich kurzfristig attraktive Möglichkeiten und Problemlösungen eröffnen.

Footnotes:

(1) http://www.spieleratgeber-nrw.de/?siteid=1657
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing
(3) http://www.stern.de/digital/spiele/spiele-abodienst-onlive-auf-der-e3-daddeln-direkt-aus-der-steckdose-1574829.html
(4) http://www.casadopainatal.com/v/jG6Ahg_d_BU und http://arstechnica.com/gaming/news/2010/07/onlive-gets-tested-playable-but-not-ideal.ars
(5) http://www.gamersglobal.de/meinung/onlive-schoene-neue-welt
(6) https://twitter.com/#search?q=onlive
(7) http://news.preisgenau.de/onlive-games-on-demand-streaming-bald-auch-fur-iphone-und-ipad-10174.html?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter
(8) http://www.digitalgamearchive.org/home.php

Literatur und weitere Links:

Buzinkay, Mark (2008): eGaming in Bibliotheken. Einführender Ratgeber. Praxis 2008. Online verfügbar unter http://www.buzinkay.net/texte/egaming.pdf

Marr, Ann Christine; Kaiser, Ronald (2010): Serious Games für die Informations- und Wissensvermittlung. Bibliotheken auf neuen Wegen. Hochschule der Medien, Masterarbeit u.d.T.: Marr, Ann Christine: Einsatzbereiche und Potential von Serious Games–Stuttgart, 2009. Wiesbaden: Dinges & Frick (BIT onlineInnovativ, 28).

Klicke, um auf BIT_Innovativ_28_Auszug.pdf zuzugreifen

Neiburger, Eli (2007): Gamers– in the library?! The Why, What, and How of Videogame Tournaments for All Ages. Chicago: American Library Association.

spielbar.de – Beurteilungen von Computerspielen. Online verfügbar unter http://www.spielbar.de/neu/

Weitere Links unter http://www.delicious.com/cordula/games

Onlive im Netz:

http://www.onlive.com/
http://blog.onlive.com/
http://twitter.com/onlivegames
http://www.youtube.com/user/OnLive

http://www.facebook.com/OnLive

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Das Team der Zukunftswerkstatt bedankt sich ganz herzlich bei Cordula Nötzelmann für diesen Gastbeitrag. Möchtest Du auch einen Gastbeitrag auf unserem Blog verfassen? Dann melde dich bei uns unter: christoph.deeg@zukunftswerkstatt.org

11. August 2010 at 15:14 3 Kommentare

Gastbeitrag: „Zukunftsmusik der Gegenwart“ von Marion Weiß

Auf der Leipziger Buchmesse suchte ich intensiv nach Möglichkeiten, möglichst viele verschiedene e-Book-Reader auszuprobieren. Das gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn kein Unternehmen machte großes Aufhebens vom neuen Zeitalter des Lesens – obwohl amazon nach dem letzten Weihnachtsfest doch stolz verkündet hatte, mehr e-Books als Bücher verkauft zu haben! (Ein bisschen weniger nachdrücklich wurde erwähnt, dass sich die Zahl auf die Weihnachtsfeiertage bezog – das heißt, dass die konsuminteressierte Kundschaft also vielleicht einfach die Gelegenheit beim Schopfe nahm, zum soeben geschenkten „Kindle“-Reader nun rasch ein paar Titel zu ordern.)

Am angekündigten Stand von Sony Music Entertainment fanden sich Hörbücher der „???“ (Drei Fragezeichen)- kein Sony, kein Sony Reader. Das wurde selbstverständlich gleich mit einen dicken Punkt für Ironie belohnt und ich machte mich auf, den „´txtr“ aus Berlin zu entdecken. Tatsächlich bietet die txtr GmbH ein Konzept, das für wissenschaftliches Arbeiten sehr interessant ist: Es gibt die txtr-community, auf der angemeldete Mitglieder an gemeinsamen Projekten arbeiten können: So besteht z.B. die Möglichkeit, eigene Texte einzustellen, anderen Zugriffsrechte darauf zu erteilen und sich darüber auf der txtr-Plattform auszutauschen. Auf der Messe irrlichterte ich allerdings eine Weile vergebens um den Block, in dem sich der txtr-Stand befinden sollte. Dann stellte sich heraus, dass der Stand sehr klein war und eine Ansammlung von ca. acht Personen davor bereits genügte, ihn praktisch unauffindbar werden zu lassen.

Letztenendes gelang es mir, insgesamt acht verschiedene e-Book-Reader ausfindig zu machen und auszuprobieren. Außer dem txtr und dem Reader von Hexaglot fand ich die Geräte nicht bei den Herstellern, die– siehe Sony – eben durch Abwesenheit glänzten. Und deshalb möchte ich technische Details (die sich rasant verändern) hier auch vernachlässigen und mich konzeptionellen Unterschieden widmen. Denn der gern angestellte technische Vergleich lässt außer Acht, was beim Kauf eines Gerätes ausschlaggebend sein sollte: Kann es das, was es für mich tun soll?

Bei eBook-Readern kommt es entscheidend darauf an, wie, wie viel und aus welchem Anlass man liest. Ist es der reine Zeitvertreib bei der täglichen S-Bahnfahrt zur Arbeit? Oder wird auf professioneller Basis gelesen, mitunter mehrere Titel parallel? Liest man überwiegend kürzere Abschnitte und schätzt die Abwechslung oder vertieft man sich? Arbeitet man wissenschaftlich, so dass der Austausch mit Kooperationspartnern Teil der Arbeit ist? Ist Lesen genug oder streicht man gern im Text herum und macht ihn sich so zu eigen? Will man eigene Notizen verfassen, die das Gerät am besten auch erkennen sollte?

Für diese Anforderungen gibt es Lösungen. Grundlegend ist die Unterscheidung vom umfangreichen, häufigen, langen Lesen gegenüber dem Lesen als „Kurzzeittätigkeit“. Im ersten Fall empfiehlt sich das digitale Lesen mit einem eigens dafür konzipierten Reader – demgegenüber steht das Lesen mit einem Smartphone. Die „hauptberuflichen“ Reader verwenden die sogenannte eInk-Technologie. Die Darstellung im Display orientiert sich klar am papiernen Text-Vorbild. Das heißt, dass auch die Bildschirme der eBook-Reader nicht hintergrundbeleuchtet sind. Dadurch soll es möglich sein, an diesen Geräten auch über mehrere Stunden ermüdungsfrei und augenschonend zu lesen. (Jeder weiß, wie man sich nach ein paar Stunden am PC-Bildschirm fühlt) Aufladen muss man das Gerät auch nur selten, da Energie nur bei Aktivitäten (wie z.B. dem Umblättern) verbraucht wird – nicht beim Anzeigen des Textes. Allerdings können keine Farben abgebildet werden – ob das ein Nachteil ist, hängt aber vom gewünschten Gebrauch ab. Die gut bebilderte Ratgeberliteratur ist hier aber tatsächlich nicht so gut aufgehoben.

Smartphones dagegen können Farben abbilden – aber in der Regel machen die Akkus nicht allzu lange mit und das Lesen strengt durch die Hintergrundbeleuchtung die Augen an. Auch sind die Displays noch kleiner als bei den eBook-Readern, was nicht unbedingt zum ausschweifenden Lesen einlädt. Die Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig hat mit der Folkwang Universität Essen ein Projekt („Zenodot“) auf den Weg gebracht, mit dem Texte speziell für Smartphones gestaltet werden sollen. Von japanischen Handyromanen hat manch einer sicher schon gehört, so dass an dieser Stelle möglicherweise aus der Technologie eine neue Art Literatur oder Literaturdarstellung entstehen wird. Das bleibt abzuwarten und man sollte vielleicht klarer zwischen e-Book-Readern, die nahe am klassischen Lesen funktionieren und Smartphone-Readern unterscheiden.

Für beide Richtungen bedauerlich ist die derzeitige Strategie der Verlage, ihre Inhalte rigide mit Kopierschutz zu versehen. Sie ist durchaus verständlich, obwohl auf der Buchmesse zugleich häufig die Erkenntnis ausgesprochen wurde, dass man doch bei der Musikindustrie gesehen hat, wohin das rigide Abschotten führt. Und ehrlich gesagt: Ich sträube mich, bei allem Interesse, auch dagegen, Geld für ein Produkt zu bezahlen, das dann nicht wirklich mir gehört.

Zum Abschluss ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Liebe Verlage, ich habe den Wunsch, in Verbindung mit einem klassischen Buch für einen Aufpreis den Zugang zu diesem Buch als eBook mitkaufen zu können. Denn ich lese gern parallel und wenn ich unterwegs bin, habe ich stets mehrere Bücher dabei, die ordentlich Gewicht haben. Statt dessen könnte ich dann meine aktuellen drei oder fünf Titel auf meinen Reader laden und mitnehmen, die physischen Bücher bleiben hübsch zu Hause und die kleine Tasche reicht. Das wird es geben? Ja?! Danke!

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Das Team der Zukunftswerkstatt bedankt sich ganz herzlich bei Marion Weiß für diesen Gastbeitrag. Möchtest Du auch einen Gastbeitrag auf unserem Blog verfassen? Dann melde dich bei uns unter: christoph.deeg@zukunftswerkstatt.org

7. April 2010 at 12:16 1 Kommentar

Gastbeitrag: Warum Zukunftswerkstatt – warum Bibliotheken?

In einem Augenblick tiefster bibliothekarischer Frustration machte ich mich am Ende des vergangenen Jahres auf die Suche nach Gleichgesinnten – und fand (welch Glückes Geschick!) die Zukunftswerkstatt im Netz.

Einen herben Schlag hatte mir schon vor längerer Zeit eine Fortbildung zum Thema Medienpräsentation versetzt, bei der ich Gelegenheit hatte, mich mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

Es stellte sich dort heraus, dass die Fachkräfte in zahlreichen Öffentlichen Bibliotheken dem steigenden Rechtfertigungsdruck der eigenen Existenz mit massiver Konzentration auf steigende Ausleihzahlen begegnen. Es wird beim Bestandsaufbau vor allem darauf geachtet, dass Titel eingekauft werden, die hohe Ausleihzahlen versprechen. Titel, die dieses Versprechen nicht halten, werden zügig entsorgt.

Gleichzeitig höre ich beim kollegialen Austausch oft die bedrückende Sorge, dass Ehrenamtliche in immer qualifiziertere bibliothekarische Aufgabenfelder geholt werden und das Bibliothekspersonal dort ersetzen. Selbst die Äußerung „Tja, was sollen wir machen – wir haben halt keinen „hehren“ Job. Das müssen wir einfach einsehen!“ kam mir von einer Bibliothekarin zu Ohren – und gab mir den Rest.

Denn ich denke, dass der Punkt erreicht ist, an dem in Bibliotheken mit artiger Fügung ins scheinbar Unvermeidliche nichts mehr erreicht werden kann, als die fortschreitende Entwertung der eigenen Zunft.

Bibliotheken, die sich dazu nötigen lassen, ihre Existenzberechtigung aus Ausleihzahlen herzuleiten, sind augenblicklich passé, wenn diese sinken sollten. Und die Konzentration auf diesen Weg, zieht schon vorher die Senkung des fachlichen Niveaus nach sich: Einfache Titel mit immer schöneren Titelbildern (Präsentation!) gehen am besten. Das ist eine Abwärtsspirale: Konsequent zu Ende gedacht, stellt sich die Frage, warum man dafür Fachpersonal benötigt. Und nicht wenige Bibliotheksträger sind ja bereits an diesem Punkt – oder darüber hinaus.

Dabei bietet eine Zeit wie diese, voller technischer Umbrüche und einer extrem unübersichtlichen medialen Welt, immense Chancen zur fachlichen Neubestimmung und ein einmaliges Spielfeld, auf dem Bibliotheken Maßstäbe setzen und Türen öffnen könnten.

Keine Institution bietet vielseitigere Räume, in denen das sich-zurecht-finden im Medien- und Informationszeitalter effektiver gelehrt und gelernt werden kann. Und da das Informationszeitalter nicht geographisch zu begrenzen ist, besteht für Bibliotheken aller Größenordnungen die Möglichkeit, sich neu zu positionieren.

Keiner anderen Institution ist die Interdisziplinarität so in die Wiege gelegt wie der Bibliothek, die gleichermaßen den Bereichen Bildung und Kultur angehört. Was uns bisher zum Nachteil gereichte (zuständig sind die anderen!), ist doch eigentlich eine große Stärke, die vor allem im Bibliothekswesen selbst anerkannt werden und offensiv vertreten werden sollte.

Die Hoffnung, die ich durch die Zukunftswerkstatt schöpfe, ist, dass das Fachpersonal in den Bibliotheken sich dazu entschließt, die bibliothekarische Zukunft nicht zu erleiden, sondern offensiv zu gestalten.

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Das Team der Zukunftswerkstatt bedankt sich ganz herzlich bei Marion Weiß für diesen Gastbeitrag. Möchtest Du auch einen Gastbeitrag auf unserem Blog verfassen? Dann melde dich bei uns unter: christoph.deeg@zukunftswerkstatt.org

7. Januar 2010 at 17:40 1 Kommentar

Gastbeitrag: Nehmt die Kleinen mit! Informationskompetenz für alle

Nehmt die Kleinen mit! Informationskompetenz für alle

Eine schöne und knappe Definition  von Informationskompetenz gibt Jürgen Plieninger in seinem Blog bibtexte „Informationskompetente Schüler. Expertise NRW“ vom 1. Oktober 2009:
Als die Fähigkeit, mit beliebigen Inhalten selbstbestimmt, souverän, verantwortlich und zielgerichtet umzugehen, versetzt die so genannte Informationskompetenz den Einzelnen in die Lage, bei einem bestimmten Problem oder Sachverhalt zu erkennen, welche Informationen relevant sind und welche benötigt werden.

Oder:

Informationskompetenz gehört zum Bereich der soft skills und umfasst im Allgemeinen eine Reihe von Fähigkeiten, die dem Einzelnen den kompetenten, effizienten und verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen ermöglichen. Diese Fähigkeiten beziehen sich auf alle Aspekte des problembezogenen Erkennens eines Bedarfs an Informationen, ihrer Lokalisation, ihrer Organisation, ihrer zielgerichteten Selektion durch Analyse und Evaluation und ihrer zweckoptimierten Gestaltung und Präsentation. (Wikipedia)

Hier werden hohe Ziele formuliert. Sie sind erstrebenswert und erreichbar. Für alle? Die Zukunftswerkstatt macht sich Gedanken über die Nutzung der neuesten Entwicklungen elektronischer Medien für Bibliotheken und ihre Nutzer unabhängig vom Büchereityp und Bestandstyp. Denkt sie dabei aber auch an alle Nutzergruppen?

Informationskompetenz sollen natürlich erst einmal die Bibliothekare erwerben, so gründlich wie möglich. Denn nur wer das Metier beherrscht, kann mit einem einzigen gut formulierten Satz einem hilflosen Leser eine neue Welt erschließen. Jean-Noel Jeanneney (in: Googles Herausforderung, Berlin, 2006, S. 33) hebt hervor, dass Bibliothekare immer wichtiger werden, je höher die Informationsflut steigt. Denn allzu viele können die Objektivität und den Wert einer Information nicht erkennen, ja nicht einmal zwischen Information und Werbung unterscheiden.

Es gibt das alte Schlagwort vom „mündigen Leser“. An den denken wir zuerst, denn wir neigen dazu, vor allem Menschen wahrzunehmen, die unserem eigenen Bildungsgang und Herkunftsmilieu entsprechen. Skeptische Blicke und Einwände gibt es aber auch von jenen, die „die andern“ mit bedenken. An denen gingen die elektronischen Neuerungen doch komplett vorbei. An welche Bibliotheksnutzer denken sie/wir dabei?

Zum Beispiel an den Studienanfänger, der bisher den Umgang mit Büchern und Bibliotheken nur sehr oberflächlich gelernt hat. Er versteht die Logik ihrer Aufstellung und Darbietung nicht, Registern, Indices, ja sogar Inhaltsverzeichnissen steht er fremd gegenüber, von einer Hierarchie der Suchbegriffe hat er nie gehört und Strategien zur Materialsammlungen kennt er nicht. Er kann seine geistigen Möglichkeiten nicht ausschöpfen, wurstelt sich aber zur ersten Zwischenprüfung durch.

In öffentlichen Bibliotheken haben wir oft Nutzer vor uns, die den Begriff Informationskompetenz nicht verstehen und das Wort selbst überlesen würden, weil es zu lang ist. Viele von ihnen können keinen Stadtplan deuten und einen Fahrplan nicht durchschauen. Aber sowohl der ungeübte Student als auch der in jeder Art Informationsmittel Ungeübte sind im Internet. Uns gegenüber können sie keine sofort verständliche Frage formulieren, ja sie vermeiden Fragen und begnügen sich damit, die Stelle mit „ihren“ Büchern wiederzufinden. Ihre wirklichen Wünsche erfahren wir nie. Aber Google erfährt sie. Warum nicht wir?

Noch einen Schritt weiter: Viele Leute nehmen ihre Ansprüche gegenüber Behörden nicht wahr, weil sie nicht wissen, wie sie die Formulare ausfüllen sollen. Sie vermeiden Bahn und Bus aus Unsicherheit und kommen auch in keine Buchhandlung und Bücherei. Aber sie sind im Internet, weil der Zugang so einfach ist. Die Bibliotheken könnten viele ihrer Bedürfnisse erfüllen, nur kennen wie einander nicht. Oder doch?

In den Kommentaren zu Zeitungsartikeln oder Blogbeiträgen begegnen uns viele von ihnen. Sie sind ungelenk im Schreiben. Die Artikel, die sie kommentieren, haben sie oft nicht verstanden. Sie kennen den Unterschied von Information und Meinung nicht und haben zwar einzelne Sätze, aber nicht den Sinngehalt im Ganzen erfasst. Auf einzelne Wörter reagieren sie nach dem einfachen Reiz-Reaktions-Schema und schnappen sofort zu. Als Werbekunden mögen sie willkommen sein, und viele Netzbetreiber beten vielleicht, das sie ihnen lange erhalten bleiben. Wir aber fragen uns: wie machen wir ihnen klar, dass wir es sind, die haben, was sie eigentlich suchen? Was wir für Leute tun können, die genauso schlau sind wie wir, das wissen wir. Andere wissen, wie man auch die anderen erreicht. Lernen wir von ihnen.

Natürlich zweifle ich keinen Moment daran, dass die Zukunftswerkstatt, die Blogschreiber und die vielen andern in den Bibliotheken mit gleicher Zielrichtung gerade auch diejenigen mit bedenken, für die ich hier gerade geschrieben habe. Aber noch mal dran erinnern schadet ja nichts.

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Das Team der Zukunftswerkstatt bedankt sich ganz herzlich bei Hans-Jürgen Schmidt für diesen Gastbeitrag. Möchtest Du auch einen Gastbeitrag auf unserem Blog verfassen? Dann melde dich bei uns unter: christoph.deeg@zukunftswerkstatt.org

4. Dezember 2009 at 17:39 1 Kommentar

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