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Von Baumärkten und Selbstschrauberwerkstätten – Über die Kooperation von Stadtbibliothek und CoWorkingSpace/Schiller40 in Wolfsburg

“Digitale Arbeitswelten”, das ist das Thema, mit dem sich die Zukunftswerkstatt in diesem Jahr eingehend beschäftigt. Im aktuellen Bibliotheksdienst (Heft 10, 2013) und hier im Blog befragte Julia Bergmann bereits die Schriftstellerin, Journalistin und Programmiererin Kathrin Passig zu ihren Erfahrungen mit neuen digitalen Arbeitsformen wie CoWorking und CoWorking Spaces. Hier soll es nun um eine Kooperation zwischen einer Bibliothek und einem CoWorkingSpace gehen.

CoWorking ist eine „neue“ Arbeitsform, bei der unabhängig voneinander agierende Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden in meist größeren Räumen, den sog. CoWorkingSpaces zusammenarbeiten. Gemeinsam können sie hier zeitlich flexibel Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis nutzen. Entscheidendes Merkmal eines CoWorkingSpaces im Vergleich zu anderen klassischen Lern- und Arbeitsorten wie Bibliotheken ist jedoch die Community, die durch gemeinsame Workshops, Projekte oder weitere Aktivitäten entsteht und von der die CoWorker in besonderer Weise profitieren.

Digitale Arbeitsformen und CoWorking in Bibliotheken?

Was kann nun der klassische Lern- und Arbeitsort Bibliothek von den neuen digitalen Arbeitsformen in CoWorkingSpaces lernen und wie damit neue Zielgruppen ansprechen bzw. eine Community in den sozialen Netzwerken aufbauen?
Alles beginnt mit ersten Schritten und einer dieser ersten Schritte wurde in Wolfsburg bereits in Form einer Kooperation des CoWorkingSpaces/Schiller40 mit der Stadtbibliothek Wolfsburg und dem Medienzentrum der Stadt gegangen.

Vorbereitung: Minecraft-Session im Besprechungsraum

Vorbereitung: Minecraft-Session im Besprechungsraum

„Fachsimpeln mal anders“ – Stadtbibliothek und CoworkingSpace kooperieren mit Powerpointkaraoke und Smartphoneschule
Bereits Anfang 2011 wurden der spätere Leiter des CoWorkingSpaces Christian Cordes und die Stadtbibliothek gemeinsam aktiv mit der Powerpoinkaraoke, die seit diesem Zeitpunkt regelmäßig, mindestens aber zwei Mal im Jahr in den Räumen der Zentralbibliothek im Aaltohaus stattfindet. Als die Bibliothek während der Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“ im Herbst 2011 ein Smartphonetreff veranstaltete und sich das Medienzentrum der Stadt und Christian Cordes daran beteiligten, war dies die Geburtsstunde der späteren Smartphoneschule.

Nach der Gründung des Wolfsburger CoWorkingSpaces im April 2012 wechselte dieses kostenfreie Angebot monatlich zwischen Stadtbibliothek und CoWorkingSpace, ab September 2012 wurde aus dem Smartphonetreff schließlich die Smartphoneschule, die seitdem an jedem zweiten Donnerstag im Monat im CoWorkingSpace/ Schiller40 stattfindet und durchschnittlich 40 „meist älteren“ Teilnehmern die Grundlagen der Nutzung von mobilen Endgeräten vermittelt.
Zwischenzeitlich gründete die Smartphoneschule eine Smartphone-AG mit Schülern der 5. bis 7. Klassen des Wolfsburger Ratsgymasiums. Diese hatten die Aufgabe, die monatliche Veranstaltung mit vorzubereiten und die Besucher der Smartphoneschule zu unterstützen. Die Stadtbibliothek nutzte den Besprechungsraum des CoWorkingSpace/Schiller 40 für Minecraft-Spielnachmittage mit Schülern und auch die FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr Kultur) aller drei Einrichtungen arbeiten gemeinsam an digitalen Projekten wie der Produktion des Podcasts „Kulturlos?Kultur Los! „ oder einer Umfrage zur Nutzung mobiler Endgeräte unter Schülern.

Neben den beiden Formaten Powerpointkaraoke und Smartphoneschule, die sich mittlerweile etabliert haben, denken das CoWorkingSpace/Schiller40 und die Stadtbibliothek auch immer wieder über neue gemeinsame Veranstaltungsformate wie Twitter-Tatort, Twitter-Lesung, oder Laber-Flashmob nach.

Smartphoneschule im CoWorkingSpace/Schiller40

Smartphoneschule im CoWorkingSpace/Schiller40

Arbeitsaufwand? Kooperation ja oder nein? Erstmal kommt es auf die richtige Einstellung an!

Alle Überlegungen, was denn auf Seiten einer Bibliothek nötig ist, um mit einem CoWorkingSpace (so denn vor Ort vorhanden) zu kooperieren, sei es nun der zeitliche oder personelle Rahmen, kann man im Grunde vernachlässigen, wenn nicht in der Bibliothek ein gelebtes und natürliches Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Das wird auch in der Regel nie bei allen Bibliotheksmitarbeitern gleich stark vorhanden sein, es sollte aber zumindest wie in Wolfsburg ein heißer Draht zwischen CoWorkingSpace-Leiter auf der einen und Öffentlichkeitsarbeiter der Bibliothek auf der anderen Seite bestehen. Einen Zugang in die „neuen“ digitalen Welten finden Bibliotheken nicht, wenn sie sich ab und zu und nur aus Imagegründen mit digitalen Themen schmücken. So ist gerade die regelmäßige Smartphoneschule in Wolfsburg eine Veranstaltung, bei der die Bibliotheksmitarbeiter genau so viel lernen können (und müssen) wie die externen Teilnehmer auch. Bis sie irgendwann nicht mehr Tablets, Smartphones und EBook-Reader als „Themen on top“ zu ihrem „Kerngeschäft“ ansehen, sondern sie wie selbstverständlich in ihren Bibliotheksalltag integrieren. Sind in der Wolfsburger Smartphoneschule der Leiter des CoWorkingSpaces Christian Cordes und der Medienpädagoge des Medienzentrums diejenigen, die inhaltlich am meisten beitragen und das auch didaktisch gut vermitteln, so ist es innerhalb dieser Kooperation gegenwärtig Aufgabe der Bibliothek, die Veranstaltungen in der Presse zu kommunizieren und die zahlreichen telefonischen Anfragen zur Smartphoneschule („kostet das was?“, „was muss ich wissen und vorher lesen, um teilnehmen zu können?“, „ muss ich schon ein Smartphone mitbringen oder kann ich mich bei Ihnen beraten lassen?“) zu beantworten. Prinzipiell wäre hier, je nach Situation vor Ort, ein weiterer Anknüpfungspunkt zu einer Volkshochschule, die vertiefende kostenpflichtige Kurse zu einzelnen Aspekten der Smartphonenutzung anbietet, während in der Smartphoneschule vorrangig die Grundlagen behandelt werden.

CoWorkingSpace/Schiller40

CoWorkingSpace/Schiller40

„Wo Ideen Kreise ziehen“ – das Wolfsburger CoWorkingSpace /Schiller40 in Daten

Das Wolfsburger CoWorkingSpace/Schiller40 ist das erste Space in kommunaler Trägerschaft von Stadt Wolfsburg, der Wolfsburg AG und der Wolfsburger Wohnbaugesellschaft Neuland. Es ist ein anerkannter Ort für Schulen, Bürger und Kreative und Teil des Kulturentwicklungsplans der Stadt. Der Startschuss für die Planungen fiel im Dezember 2011, seit Juni 2012 läuft es im „Vollstartmodus“. 17 Arbeitsplätze können zeitlich flexibel gemietet werden. Da das Space seit September 2012 voll ausgelastet ist, werden zur Zeit keine weiteren Nutzer aufgenommen. 195 Personen gehören zum Kundenstamm des Spaces, 250 Mitglieder umfasst die Facebookgruppe des CoWorkingSpace/Schiller40.
Seit dem Start 2012 können rund 70 Infoveranstaltungen in der Region (IHK, Unternehmen) gezählt werden. Neben Veranstaltungsformaten wie Wissensfunken (4 Veranstaltungen im Quartal ) für die Nutzer des CoWorkingSpaces und weiteren Workshops und Seminaren zur digitalen Kultur, ist das Projekt „Betagarten“ ein Motor für die Kultur- und Kreativwirtschaft der Stadt.

CoWorker bei der Arbeit

CoWorker bei der Arbeit

„Vom Baumarkt zur Selbstschrauberwerkstatt“ – Fazit: was muss passieren, um CoWorking in Bibliotheken zu etablieren?
Auf die Frage, ob und in welchem Umfang sich CoWorking in Zukunft auch in Bibliotheken z. B. in Form von CoWorking Areas verwirklichen ließe, bemüht Christian Cordes ein Bild, das aus seiner Sicht den Ist-Stand in Bibliotheken wiedergibt: Bibliotheken seien wie Baumärkte und ein CoWorkingSpace eher wie eine Selbstschrauberwerkstatt. Wenn man diesen Vergleich auf das Produkt Farbe überträgt, heißt das: Bibliotheken haben die Farben zwar im Bestand und sagen den Nutzern, wo genau die gewünschte Farbe im Regal steht, nehmen sie aber noch viel zu selten aus dem Regal, um ihren Nutzern zu zeigen, was man alles damit machen kann.
Derzeitig sind Themen wie Gaming und FabLabs  für Cordes viel bibliothekstauglicher als CoWorking. Das auch aus dem Grund, da CoWorking eine grundsätzlich andere Auffassung von Community-Management voraussetze, als sie in den meisten Bibliotheken derzeit gelebt wird. Ein weiter Weg also. Fangen wir an, ihn mit vielen kleinen ersten Schritten zu gehen!

Uwe Nüstedt,  uwenuestedt@googlemail.com, Tel. 0171-3127783

1. November 2013 at 00:12 2 Kommentare

Tool der Woche: Threema – die WhatsApp-Alternative aus der Schweiz

Immer wieder wird über Sicherheitsrisiken bei der Kommunikation im Internet berichtet. Die Negativschlagzeilen machen dabei auch vor Kurznachrichtendiensten keinen Halt. Selbst unser beliebtes WhatsApp gerät von Zeit zu Zeit in die Schlagzeilen.

Wem die Befürchtung unerträglich wird, seine Kurznachrichten könnten mitgelesen werden, kann sich jetzt über eine besonders sichere Messaging-Alternative aus der Schweiz freuen: Threema, eine Kurznachrichten-App mit einem besonderen Fokus auf sichere Kommunikation im Netz.

Threema garantiert eine – wie es auf der Website von Threema heißt – echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die auf asymmetrischer Kryptografie beruht und bewirkt, dass niemand ausser dem vorgesehenen Empfänger eine Nachricht lesen kann, selbst der Serverbetreiber nicht.

Threema – die WhatsApp-Alternative für iOS und Android. Bild: Nüstedt

Threema – die WhatsApp-Alternative für iOS und Android. Bild: Nüstedt

Das steuert ein dreistufiges Sicherheitssystem, das überprüft, ob die jeweilige Person, die mir gerade eine Nachricht geschickt hat, auch wirklich der Kontakt ist, für den ich ihn halte.

Die Mitteilung wird auf der Senderseite mit einem öffentlichen Schlüssel codiert und kann erst wieder auf der Empfängerseite mithilfe eines zweiten privaten Schlüssels dekodiert werden.

Threema kann all das, was WhatsApp auch kann: Fotos, Videos und Standorte teilen oder Kontakte automatisch oder manuell aus dem Smartphone-Telefonbuch synchronisieren. Alles immer asymmetrisch verschlüsselt.

Die Schweizer Messaging-App gibt es als Android-Version für derzeit 1,60 Euro und als iOS-Ausgabe für 1,79 Euro (zum Vergleich WhatsApp 99 Cent).

UN

31. Juli 2013 at 13:15 1 Kommentar

Tool der Woche – „Blinkist“ – App für mobiles Lesen jetzt upgedatet

Mit dem Update auf Version 1.3 präsentieren die Macher der iPhone-App „Blinkist“ seit Anfang Mai einen leckeren Appetitanreger, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wer die App weiterempfiehlt, wird mit zwei kostenlosen Downloads belohnt. Das übersichtliche Menü der App bietet dafür neuerdings den Punkt „Weiterempfehlen“.

Mit "Weiterempfehlen" zwei freie Downloads

Mit „Weiterempfehlen“ zwei freie Downloads, Foto: Uwe Nüstedt

Wer darauf klickt, erfährt, dass er seine E-Mail-Adresse registrieren und anschließend Freunde per SMS oder EMail zu Blinkist einladen kann. Für jeden Freund, der Blinkist installiert, erhält man zwei freie Downloads.
Blinkist gibt es seit Mitte Januar. Die beiden Macher Holger Seim und Sebastian Klein wollen ihren Nutzern mit der neuen App den Einstieg in die Welt der Sachbücher erleichtern, indem sie deren Inhalte in 7 bis 16 Blinks zusammenfassen. Mit Blinks werden die komprimierten Kernaussagen bezeichnet, die in Form kleiner Häppchen in einer durchschnittlichen Dauer von ca. 2 Minuten konsumiert und verstanden werden können.
Hier nochmal unsere Blinkist- Empfehlung vom 21. März

UN

27. Mai 2013 at 21:48 Hinterlasse einen Kommentar

Tool der Woche – Blinkist

Bücher in Kurzform für die Generation Smartphone

Wer kennt es nicht: es gibt zu viele gute Bücher und wir haben zu wenig Zeit, sie alle zu lesen. Seit Mitte Januar versuchen Holger Seim und Sebastian Klein mit Blinkist Abhilfe zu schaffen. Die Macher der neuen iPhone-App für mobiles Lesen möchten mit Blinkist „dicke Sachbuchschmöker“ so auf ihre Kernaussagen reduzieren, dass man sie in kleinen Häppchen, den sog. Blinks innerhalb von 2 Minuten z. B. während der Wartezeit beim Arzt oder in Bus und Bahn lesen kann. Die neue App soll ihren Nutzern somit den Einstieg in die Welt der Sachbücher vereinfachen.
Angeboten werden zur Zeit 50 auch englischsprachige Sachbuchtitel. Die Auswahl der Sachbuchliteratur erfolgt nach dem, „was die Leute wollen.“ So durchforsten die Macher Bestsellerlisten und richten sich in ihrer Auswahl auch nach dem Feedback der Kunden. Genutzt werden die Sachbücher nach eigenen Angaben gleich gut, die Bereiche Business- und Ratgeberliteratur schneiden alles in allem noch ein bisschen besser ab.

Die Texte überzeugen durch eine klare, bilderreiche Sprache und kommen auch mit wenigen Fremdwörtern aus. Für die freien Autoren, die sich allesamt mit der Materie auskennen, über die sie schreiben, steht die Qualität der Texte im Vordergrund.

Blinkist kann zunächst frei genutzt werden, d.h. man kann sich kostenlos insgesamt 7 Kategorien Gesellschaft, Gesundheit & Glück, Populärwissenschaft, Business & Karriere, Produktivität & Ratgeber, Politik & Geschichte und Unternehmertum ansehen, sich die Empfehlungen der Redaktion durchlesen oder aber ein Feedback per Mail absetzen. Auch ein Teaser und weitere Details zum Inhalt des jeweiligen Titel sind kostenfrei nutzbar. Die komprimierten Kernaussagen (Blinks) zum Buch muss man jedoch für 1,79 E. herunterladen.

Jeder Titel wird in 7 bis 16 Blinks zusammengefasst. Wer einen Zugriff auf alle besprochenen Titel haben möchte, für den kommt das monatliche Abo in Frage. Dafür zahlt man 4,49 Euro und kann einmal heruntergeladene Zusammenfassungen auch nach dem Ende der Abozeit im iTunes-Konto behalten.

Die Blinks können auch getwittert, auf Facebook gepostet oder per Mail versendet werden. Ausprobieren sollten iPhone-Besitzer Blinkist auf jeden Fall, denn Erstnutzer haben drei Downloads frei.

UN

21. März 2013 at 08:45 2 Kommentare

Vom Smartphonetreff zur Smartphoneschule – eine zündende Idee von CoWorkingSpace, Medienzentrum und Stadtbibliothek in Wolfsburg

Die Anfänge sind leicht erzählt: nach dem Vorbild des Smartphone-Happenings von Edlef Stabenau und Dierk Eichel hatten wir im Oktober 2011 während der Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek“ spontan ein Smartphonetreff angekündigt, der inhaltlich ein  lockerer Austausch unter Smartphone- und iPhone-Besitzern sein sollte.
Einen genauen Plan, wie diese Veranstaltung funktionieren sollte, gab es nicht. Angekündigt wurde der Smartphonetreff in der Presse, im Weblog der Bibliothek und in der bibliothekseigenen Veranstaltungsbroschüre. Für die Broschüre und das Weblog sammelten wir alle Handys, Smartphones und iPhones, die es bei den Bibliotheksmitarbeitern gab, und arrangierten daraus ein flankierendes Veranstaltungsfoto.

2011: Erstes Smartphonetreff in Wolfsburg

2011: Erstes Smartphonetreff in Wolfsburg

Einen Tag bevor der Smartphonetreff starten sollte, bekam ich eine Mail vom Medienpädagogen des Medienzentrums der Stadt, der die Ankündigung auf meinem privaten Facebook-Account gelesen hatte. Er wollte kommen und bot an, seine Camcorder-Ausrüstung mitzubringen, mit der wir dann die einzelnen Beiträge auf eine große Leinwand projizieren konnten. So konnte jeder im Raum mit verfolgen, was die Vortragenden auf den Displays ihrer Smart- und iPhones vorführten.
Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, sein Smartphone und seine Lieblings-Apps vorzustellen, somit hatten wir keinerlei Probleme, den Nachmittag zu füllen: ob Smart- bzw. iPhone oder Lieblings-App wie Öffi, Deutsche-Bahn-App oder QR-Code-Reader – Themen gab es genug!
Zu den Teilnehmern des ersten Smartphonetreffs gehörten neben den ganz jungen Mitarbeitern aus der Bibliothek “einige ältere“ Leute, die sich ein Smartphone gekauft hatten und nun die ersten Gehversuche damit auf gar keinen Fall allein unternehmen wollten.
Man kann es fast als geniale Fügung bezeichnen, dass sich nach zwei weiteren Veranstaltungen auch der Leiter des neuen CoWorkingSpace der Stadt Wolfsburg als dritter Kooperationspartner dazu gesellte, denn mittlerweile war der digitale Wissenshunger gerade der älteren Smartphone-Neulinge so groß geworden, dass er von uns Bibliotheksmitarbeitern nicht mehr gestillt werden konnte.
Gemeinsam erhöhten wir als Kooperationspartner nun auch die Veranstaltungsfrequenz: seit Anfang 2012 findet der Smartphonetreff nun monatlich statt und wechselte zunächst zwischen den Orten Stadtbibliothek und CoWorkingSpace. Höhepunkt in dieser Phase war der Besuch des NDR, der in einem kurzen Beitrag über den Smartphonetreff berichtete.
Seit September 2012 wurde aus dem Smartphonetreff die Smartphoneschule, die mittlerweile auch wegen der besseren technischen Ausstattung an jedem zweiten Donnerstag im Monat im Wolfsburger CoWorkingSpace stattfindet.
Zu Beginn jeder Smartphoneschule werden die Fragen der Teilnehmer gesammelt und im Anschluss daran abgearbeitet. Durchschnittlich sind es immer zwischen 20 und 30 meist ältere Teilnehmer.
Der Themenkanon ist dabei überschaubar: Handling des jeweiligen App-Stores, Datenroaming, Sicherheit und Datenschutz, Kontakteverwaltung und Podcasting und nicht zuletzt die Frage der Fragen von Kaufwilligen und Unentschlossenen: soll ich mir ein iPhone kaufen oder mich doch lieber für ein Android-Gerät entscheiden?
Seit Ende 2012 befinden wir uns nun in der nächsten Erweiterungsrunde. Und zwar möchten wir jetzt die junge Generation von Smartphonenutzern an die Smartphoneschule binden. Nach der ersten Kontaktaufnahme im Dezember und Besuchen in den Klassen der Sekundarstufe 1 des Wolfsburger Ratsgymnasiums, formiert sich dort zum März 2013 eine Smartphone-AG, die die Smartphoneschule mit vorbereiten und unterstützen wird.
Wesentlich beteiligt am Zustandekommen dieser Kooperation waren die FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr – Kultur) der Stadtbibliothek und des CoWorkingSpace, die im Vorfeld Umfragen zur Smartphonenutzung in den 5. bis 7. Klassen des Gymnasiums durchgeführt hatten.
Ab nächster Woche werden wir also von rund 10 Schülern der 5. und 6. Klasse des Wolfsburger Ratsgymnasiums begleitet und sind gespannt, was sich daraus weiter entwickeln wird.
Uwe Nüstedt (UN), e-Mail: uwenuestedt@googlemail.com, Tel. 0171-3127783

3. März 2013 at 19:43 1 Kommentar

„Radioaktive Mausefallen, Programmierter Lambada, Plattgequetschte Fliegen“ / Powerpointkaraoke In der Wolfsburger Stadtbibliothek – ein kleiner Erfahrungsbericht zum Nachahmen

„Ein Ableger des klassischen Karaoke, bei dem die Teilnehmer keine Liedtexte nachsingen, sondern aus dem Stehgreif einen Vortrag zu ihnen vorher nicht bekannten, zufällig ausgewählten Folien halten“, so beschreibt es Wikipedia und man könnte es nicht treffender zusammenfassen. In der Stadtbibliothek Wolfsburg haben wir die Powerpointkaraoke Mitte Juni nun zum dritten Mal in Kooperation mit dem CoWorkingSpace der Stadt veranstaltet. Im Durchschnitt kamen immer 60 Besucher zu den Veranstaltungen. Während bei den ersten beiden Malen die Gruppe der freiwillig Vortragenden fast identisch war , meldeten sich im Juni völlig andere „Powerpoint-Slammer“ aus dem Publikum, darunter auch einige „Zugpferde“ der hiesigen Poetry-Slam-Szene, die via Facebook auf die Powerpointkaraoke aufmerksam gemacht hatten.

Die Ausstattung: ein abzudunkelnder Raum, Stühle fürs Publikum, Flipchart (Namen der Kandidaten, Ergebnisse), eine Leinwand, Beamer mit Presenter, Laptops, Knicklichter für die Abstimmung (rot und grün), Musik zur Einstimmung, Getränke: bevorzugt Clubmate, Bionade, Fritzcola, Preise für 1. bis 3. Sieger (z.B. 1. Preis: iPod, 2. Preis: USB-Stick, 3. Preis: LED-Leuchte)

Abstimmung mit Knicklichtern

Abstimmung mit Knicklichtern

Die Personen: ein Moderator (bei uns: Christian Cordes, Leiter des CoWorkingSpace in Wolfsburg), zwei Redakteure (der Autor und „sein“ FSJler Jannik Schmiedl – suchen aus der Datenbank spontan geeignete Präsentationen aus), weitere Personen für den Empfangsbereich (Austeilen der Knicklichter, für jeden Gast zwei: grün und rot), Catering.

Die Vorbereitung: rechtzeitig Powerpoint-Präsentationen sichten (eigenes Archiv und Internet, s. bei Google: „Feuerwehr ppt“ !! z.B., slideshare), zusammenstellen und nach unterschiedlichen Bereichen ordnen: Chemie, Mathematik, Ökologie, Gender, Fußball, Feuerwehr (!). Dann: Präsentationen auf ihren Inhalt hin prüfen. Folien mit sehr viel Text sind ungeeignet, man braucht Präsentationen mit möglichst vielen, komplexen und konfusen Graphiken, die während des Vortrages am besten schnell weitergeklickt werden. Besonders lange Präsentationen mit viel Text werden so bearbeitet und gestrafft, dass nur noch die knackigen Tabellen und Graphiken übrig bleiben. Wichtig ist auch die Anzahl der Folien, die eine Präsentation beinhaltet: bei uns waren die Präsentationen mindestens 20 Folien lang.

Der Ablauf: die Gäste erhalten am Eingang jeweils ein Knicklichterpaar zum Abstimmen nach den jeweiligen Runden (grün: die Kandidatin / der Kandidat kommt eine Runde weiter, rot: das wars!). Es melden sich (hoffentlich!) Freiwillige, die in einem Eingangsinterview befragt werden, welche Fächer sie in der Schule am liebsten abgewählt hätten, was sie aktuell arbeiten und wie ihre Beziehung zu Powerpoint-Präsentationen ist. Auf dieser Grundlage wählt die Redaktion während des Interviews eine besonders geeignete Präsentation aus.

Das Interview - wie hältst Du es mit Powerpoint?

Das Interview – wie hältst Du es mit Powerpoint?

Sie soll genau das abbilden, was der Vortragende im Interview gesagt hat: einem Schulfach entsprechen, das der Kandidat auf jeden Fall abgewählt hätte (wenn er gedurft hätte!) und garantiert nichts mit seinem jetzigen Beruf zu tun haben. Pro Kandidat hatten wir ca. 8 Minuten Präsentationszeit vorgesehen, das bedeutet bei einer 20 folienstarken Präsentation ca. 25 sec. pro Folie. Man kann die Folien mit dem Presenter aber auch vollkommen individuell und intuitiv weiterschalten. Kurzum: nach dieser Zeit ertönt ein Huplaut und dann stimmt das Publikum mit den Knicklichtern ab, ob es für den Vortragenden weitergeht oder nicht. In der dritten Runde wurden schließlich die drei Sieger ermittelt und mit den Preisen (s.o.) ausgezeichnet. Ach ja: in der Regel wird zu Beginn ein „Zungenlöser“ angeboten (Jägermeister oder was auch immer), muss aber natürlich nicht.

Der "Zungenlöser"- kann, muss aber nicht!

Der „Zungenlöser“- kann, muss aber nicht!

Fazit: eine Veranstaltung, die total viel Spaß macht und die Vortragenden rhetorisch im Hinblick auf Spontanität und Schlagfertigkeit schult (es spielt übrigens keine Rolle, ob das Publikum bzw. der Vortragende verstehen, was das Thema der Präsentation ist!). Es ist daher auf jeden Fall ein lohnendes Veranstaltungsformat für Bibliotheken, die sich ja im Bereich der Bildung und des Lernens bewegen.

Die Herausforderung: wie hält man den Spannungsbogen über die gesamte Veranstaltung hin aufrecht? Natürlich nur durch die Qualität der ausgewählten Präsentationen.

Ein absolutes Tabu (sollte man nie machen!): Abbildungen von Krebsgeschwüren – auch wenn sie aus noch so wissenschaftlich fundierten Präsentationen stammen – führen zum absoluten Stimmungsnullpunkt im Publikum. Da kann der Vortragende noch so eloquent sein. Über gewisse Themen kann und sollte man einfach nicht scherzen! Schwere Krankheiten gehören für mich seit der letzten Powerpointkaraoke eindeutig dazu.

UN
Nachfragen gern bei Uwe Nüstedt, e-Mail: uwenuestedt@googlemail.com oder unter Tel. 01525-4238341

10. Juli 2012 at 21:07 Hinterlasse einen Kommentar

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