Interview mit Hans-Joachim Hübner vom Satz-Rechen-Zentrum zur Zukunft der Bibliotheken

23. April 2012 at 18:43 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Leser,

sicherlich können es die meisten von Euch kaum erwarten: Der Bibliothekartag rückt unaufhörlich näher. Unsere Zukunftsentwickler basteln intensiv an unserer Hamburg-Zukunft und so wie es aussieht wird alles rechtzeitig fertig werden – und zudem ein ganz große Sache:-)

Wie in den letzten Jahren auch, können wir unsere Aktivitäten nur durchführen, weil uns Menschen, Institutionen und Unternehmen unterstützen. Dabei geht es nicht nur um eine finanzielle Unterstützung. Vielmehr entstehen  zumeist interdisziplinäre Netzwerke, von denen wir sehr viel lernen. Wir möchten in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit Unternehmen in eine neue Richtung lenken. In der Regel lief es bis jetzt so, dass wir unterstützt wurden und dabei u.a. die Unternehmen, welche unsere Arbeit förderten auf unserem Blog und in anderen Veröffentlichungen benannten. Dieses Jahr gehen wir einen Schritt weiter. Die uns unterstützenden Unternehmen sind in der Bibliothekswelt nachhaltig bekannt. Unser Interesse geht weit über eine Spende hinaus. Die Zukunft der Bibliotheken wird nicht von den Bibliotheken alleine entwickelt. Ohne die Unternehmen, die in den verschiedenen Bereichen tätig sind, ist eine Zukunft für Bibliotheken nicht nötig. Sie werden in Zukunft nicht nur Dienstleister sein, sondern mehr noch als heute die Zukunft der Bibliotheken aktiv gestalten. Aus diesem Grund möchten wir heute mit einer kleinen Serie beginnen. Wir haben die mit uns kooperierenden Unternehmen gebeten, uns ein Interview zu ihrer Arbeit und ihrer Vision zur Zukunft der Bibliotheken zu geben. Wir beginnen heute mit Hans-Joachim Hübner vom Satz-Rechen-Zentrum.

Während des Bibliothekartages werden wir unsere Kooperationspartner erneut befragen – dann gibt es Videointerviews. Schließlich werden nach dem Bibliothekartag ein drittes mal zusammenkommen und gemeinsam überlegen, was der Bibliothekartag in Hamburg gebracht hat. Wir freuen uns auf spannende Diskussionen.

Eure Zukunftsentwickler

PS: Der Verein Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. bedankt sich herzlich bei der Walter de Gruyter Stiftung für Wissenschaft und Forschung für die Förderung unserer Aktivitäten auf dem Bibliothekartag 2012 in Hamburg

Und nun das Interview:

Zukunftswerkstatt: Hallo und guten Tag Herr Hübner, was genau machen Sie bzw. Ihre Firma eigentlich?

Hans-Joachim-Hübner: Das SRZ bietet Dienstleistungen und Systemlösungen an. Die Dienstleistungen teilen sich auf in drei Bereiche: Die Digitalisierung aller Arten von Dokumenten: Papier, gebundene Vorlagen, Mikrofilm, Retrokonversion von Katalogen, auch mit Online-Erfassung. Das Cross-Media-Publishing, was man herkömmlich mit Satzherstellung beschreiben würde, aber heutztage meint, einmal Daten zu erstellen, die dann für Druck, CD-ROM und Internetpräsenzen verwendbar sind. Mit unserer Softwaregruppe bieten wir auch die Erstellung von Internet- und CD-ROM-Anwendungen an. An Systemlösungen werden angeboten:

  • Schlüsselfertige und kundenspezifisch angepasste Digitalisierungslösungen sowohl für Bibliotheken (Dokumentlieferung, Kataloganreicherung, allgemeine Digitalisierung) als auch für Industrie und öffentliche Auftraggeber zur Dokumentenerfassung und den Posteingang
  • Internetportale zur Präsentation digitaler Kollektionen mit unserem eigenentwickeltem CMS Agora
  • ECM und DMS Lösungen für Industrie und öffentliche Hand, ebenfalls kundenspezifisch angepasst auf der Grundlage von SAPERION

Zukunftswerkstatt: Was gefällt Ihnen an der Arbeit mit Bibliotheken?

Hans-Joachim-Hübner: Im wesentlichen geht es immer um Wissen und allgemeines Kulturerbe, das digitalisiert, strukturiert und dann in digitaler Form von überall her erreichbar angeboten werden soll. Mit jedem Projekt, das wir durchführen, lernen wir viel auch über die Inhalte, die wir digitalisieren oder präsentieren. Das ist ungeheuer interessant. Und – da muss ich auch mal ein Kompliment loswerden – die Zusammenarbeit mit unseren Bibliotheks-Kunden ist eigentlich immer von großer gegenseitiger Achtung und Kollegialität geprägt.

Zukunftswerkstatt: Sie sind ja Unterstützer der Zukunftswerkstatt – warum eigentlich?

Hans-Joachim-Hübner: Uns gefällt, dass die Zukunftswerkstatt frisches Denken und den Mut, spielerisch neue Formen der Wissensvermittlung zu erkunden, in die Bibliotheksszene bringt. Hier geht es nicht hauptsächlich um Konservieren und Bewahren, was mit Sicherheit auch eine wichtige Aufgabe ist, sondern um das Teilen von Wissen und die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Internet, Social Media und mobilen Anwendungen. Das ist zukunftsträchtig und damit für uns unterstützenswert.

Zukunftswerkstatt: Die Welt der Bibliotheken verändert sich immer rasanter – wie sieht eigentlich Ihre Vision für die Bibliothek im Jahre 2025 aus?

Hans-Joachim-Hübner: Wesentlich ‚elektrischer‘, ich denke, dass die Bedeutung gedruckter Werke nachlassen wird und die wissenschaftlichen Bibliotheken große digitale Wissenspeicher sein werden. Ob dann von z.B. Dissertationen noch Pflichtexemplare gedruckt werden, wage ich zu bezweifeln, das elektronische Publizieren und der jederzeitige Zugriff auf Informationen wird noch weiter im Vordergrund stehen. Trotzdem glaube ich an eine gewisse Zukunft des gedruckten Buches schon allein wegen seiner haptischen Eigenschaften.

Zukunftswerkstatt: Wo sehen Sie mögliche Hürden auf dem Weg in die Bibliothek der Zukunft?

Hans-Joachim-Hübner: Bei der sehr unterschiedlichen Politik der Verlage. Einige haben da im digitalen Angebot ein sehr rigides und teures Lizenzmodell, dass sich bereits jetzt manch eine Bibliothek kaum leisten kann. Andere sehen aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre, dass ein relativ freizügiger Zugriff auf die von Ihnen verlegten Werke sich keineswegs geschäftsschädigend bemerkbar machen muss, sondern eher den Verkauf der Werke ankurbeln kann.

Neben der vielen Arbeit und den vielen Herausforderungen und Fragestellungen soll das Leben ja auch Spass machen – was macht Ihnen an Ihrem Job Spass?

Hans-Joachim-Hübner: Aufgrund der breiten Palette unseres Angebotes und vielen verschiedenen Projekten in sehr unterschiedlichen Fachrichtungen gibt es immer wieder Herausforderungen, sich mit sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen auseinanderzusetzen. Am besten finde ich, Aufgaben, für die es noch keine wirkliche Lösung gibt. Dabei lernt man auch sehr unterschiedliche Menschen an vielen verschiedenen Orten klennen – das macht Spaß.

Zukunftswerkstatt: Vielen Dank für das Interview. Wir werden uns ja auf dem Bibliothekartag sehen und auch danach auf unserem Blog über die Zukunft der Bibliotheken diskutieren. Trotzdem haben Sie nun das letzte Wort. Das ist eine einmalige Chance – Was immer Sie schon einmal sagen wollten, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür:-)

Hans-Joachim-Hübner: Ich wäre froh, wenn wir aus den gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa und der Welt mit gestärkten ethischen und demokratischen Werten hervorgehen und sich bei allen Verantwortlichen herumspricht, dass man Geld nicht essen kann.

Zukunftswerkstatt: Nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung und wir sehen uns zumVideointerview auf dem Bibliothekartag in Hamburg…

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