Blip.fm oder was man alles mit Onlineinhalten machen kann

2. März 2010 at 15:27 Hinterlasse einen Kommentar

Liebe Leser,

in den letzten Wochen und Monaten haben wir immer wieder darüber gesprochen, dass Bibliotheken in der Zukunft vermehrt mit Inhalten arbeiten werden, die gar nicht mehr in der Bibliothek verortet, sondern irgendwo im Internet zu finden sind. Dabei entsteht natürlich logischerweise die Frage, wie dies denn überhaupt umsetzbar ist? Sollen Bibliotheken diese neuen Inhalte bzw. „Onlinebestände“ wie reale Bestände behandeln oder müssen für diese Inhalte neue Erschließungs-und Vermittlungswege gefunden werden? Um Ideen für dieses Aufgabengebiet entwickeln zu können lohnt es sich vorhandene Angebote zu analysieren. Ein wie ich finde sehr faszinierendes Angebot ist die Plattform Blip.fm.

Blip.fm ist eigentlich eine ganz einfache Plattform. Sie bietet den Nutzern die Möglichkeit, Musik als Audio oder Video im Netz zu finden und zu verbreiten. Jeder User ist quasi ein DJ der Inhalte aus dem Netz zu seiner persönlichen Playlist zusammenführt, die wiederum andere sich anhören bzw. ansehen können.

Blip.fm nutzt dabei vorhandene Plattformen wie Youtube als „Musikbibliothek“ und Twitter als Kommunikationskanal.

Wie funktioniert nun Blip.fm?

Zuerst benötigt einen Account bei Blip.fm. Sinnvoll wäre auch ein Twitteraccount. Der Twitteraccount ist deshalb wichtig, weil jeder neue gefundene bzw. ausgesuchte Track über Twitter kommuniziert werden kann. Man bekommt nun ein Profil bei Blip.fm und kann ein Foto hochladen sowie musikalische Preferenzen und weitere Profildaten eintragen. Das Profil hat eine feste URL, z.B. http://blip.fm/crocksberlin:

Dieses Profil können alle Internetnutzer frei besuchen und der Musik lauschen bzw. die Videos bewundern die man für Sie zusammengestellt hat. Das ganze ähnelt den Statusmeldungen bei Facebook oder Twitter, nur dass es hier immer um Musik geht.

Nun hat man also ein Profil und es kann losgehen. Man sucht nun im Netz bzw. auf bestimmten Plattformen nach einem Song oder einem Künstler. Ich habe mich für den US-Amerikanischen Jazzorganisten Jimmy Smith entschieden. (Nebenbei, er war einfach wirklich mit Abstand der Beste):

Nun bekomme ich das Suchergebnis angezeigt und kann mir die gefundenen Werke in einer Vorschau anhören bzw. ansehen. Ich habe hier ein Video eines Konzertes von Jimmy Smith und der Blue Note Big Band in (ich glaube) Japan gefunden. Wenn mir das Werk gefällt kann ich es „blippen“ d.h. die ganze Welt auf dieses Werk aufmerksam machen:

Und das geht über den Link des Videos. Ein Youtubevideo z.B hat immer eine feste URL. Da wir aber automatisch auch über Twitter kommunizieren werden haben wir nur 140 Zeichen zu Verfügung und manche URLs bzw. Links sind einfach zu lang. Deshalb wird der Link quasi komprimiert. Ein Dienst der diese Komprimierung anbietet ist Tinyurl. Nun haben wir ein Textfeld in dem sich der Link zum ausgesuchten Werk befindet. Mit den restlichen verbleibenden Zeichen schreiben wir einen Kommentar. Schließlich veröffentlichen wir das Ganze und nun wird es spannend. Zum Einen wird der Link nebst unserem Kommentar über unseren Twitteraccount automatisch getwittert:

Ich habe meinen Twitteraccount mit Facebook, meinen Blogs und meinen Myspaceseiten verbunden. Also wird der Tweet nun über alle diese Plattformen verbreitet:

Gleichzeitig erscheint er auf meinem Profil bei Blip.fm. Ich erreiche also sowohl die Mitglieder der Blip.fm-Community als auch alle anderen bzw, die, die meine Tweets empfangen:

Die Blip.fm-User können mehreren Mitgliedern folgen, d.h. Sie empfangen entweder die Playlist eines einzelnen Mitglieds, weil sie seine Auswahl z.B. sehr spannend finden oder von vielen Mitgliedern und bekommen damit einen Mix aus verschiedenen Quellen. Die Nutzer können denjenigen denen sie folgen auch „awarden“, d.h. Sie können Punkte verteilen als Lob für die gute Auswahl. Zudem kann man einzelne Levels erreichen. Beides sind Bereiche die wir auch in modernen Computergames finden können. Es gibt also ein Ziel bzw. einen Ansporn, nämlich eine so gute Playlist zu erstellen, das diejenigen, die sie hören auch bleiben bzw. für die Qualität hohe Punkte verteilen:

Was hat diese Plattform nun mit Bibliotheken zu tun? Zum Einen zeigt sie, wie man mit Onlineinhalten arbeiten kann. Blip.fm setzt auf bereits vorhandene Angebote auf und vernetzt Menschen mit Inhalten. Dabei ist die Struktur sehr interessant. Stellen wir uns vor, eine Bibliothek würde im Internet versuchen, die Fragen einzelner User, ganz egal an welchem realen Ort sich diese befinden, bezüglich ausgesuchter kultureller Inhalte beantworten. Youtube ist vielleicht die drittgrößte Suchmaschine der Welt aber auch hier muss man wissen was man wie anfragt. Recherchekompetenz ist hier von großer Bedeutung, Gleichzeitig bietet ein System wie Blip.fm die Möglichkeit gleichzeitig Fragen zu beantworten und die Frage und die dazugehörige Antwort einer großen Community zukommen zu lassen. Letztlich ist es dabei egal, um welchen Inhalt es sich handelt. Die Idee von Blip.fm läßt sich auf nahezu jeden Inhalt anwenden. Am besten Ihr probiert es mal aus? Was denkt Ihr wären weitere Inhalte, die über ein solches System vermittelt werden könnten?

Beste Grüße

Christoph Deeg
Zukunftswerkstatt

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