Neue Technologie – global oder regional?

25. Oktober 2009 at 15:09 3 Kommentare

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Die Zukunftswerkstatt hat diesmal auf der Frankfurter Buchmesse wieder eine erfolgreiche Podiumsdiskussion veranstaltet. Unter dem Thema „Zukunft lesen? – Games, eBook & web2.0 als Chancen & Herausforderung“ wurde aus viel verschiedenen Aspekten über das Lesen in der Zukunft gesprochen. Es gab viele interessante Punkte aus dem Podium. Für mich war eine Debatte aus der Diskussion besonderes interessant. Es ging darum, ob die neue Technologie zwischen unterschiedlichen Kulturen (Asien und Europa) direkt übertragen kann. (mehr über die Podiumsdiskussion lesen Sie hier)

Die Zukunftswerkstatt beschäftigt sich schon seit lange Zeit mit dem Trends von neuen Technologien. Für uns war immer wichtig zu analysieren, wie die neue Technik auf Menschen und Gesellschaft bewirkt und wie die Kultureinrichtungen darauf einstellen sollen. Oft kommt die neue Technologie aus anderen Ländern, mit großer Begeisterung stellen wir ihnen sie vor, aber wenig haben wir über die Abhängigkeit von den Kulturen gesprochen. Heute nehmen wir Mobiltelefon als Beispiel und versuchen wir eine neue Diskussion zu starten. Die Fragestellung ist, ob eine neue Technologie unabhängig von den Kulturen problemlos verbreitet werden kann.

New York Times hat vor kurzer Zeit einen Artikel veröffentlicht. Sie sprach darüber, warum das japanische Mobiltelefon nicht in den Weltmarkt gekommen ist. Wie wir fast alle schon wissen, was an Technologie und Innovation angeht, ist Japan oft der Vorreiter im Markt. Im Branche Mobiltelefon ist Japan auch keine Ausnahme.

    „E-mail capabilities in 1999, camera phones in 2000, third-generation networks in 2001, full music downloads in 2002, electronic payments in 2004 and digital TV in 2005.“

Außer die unendlichen Innovationen besitzen die meisten japanischen Mobiltelefonhersteller eine starke technische Infrastruktur und Know-How. Wie zum Beispiel die Firmen Sharp, NEC, Panasonic, die schon lange mit Hight-Tech beschäftigt haben, bringen die japanischen Mobiltelefone immer in den neusten Stand. Aber die Frage ist, warum solche technisch sehr gut ausgerüsteten Mobiltelefone nicht in den Weltmarkt zu finden sind.

New York Times hat viel aus dem Aspekt vom Hardware gesprochen,  dass die Mobiltelefonhersteller in Japan nur auf der Technik konzentrieren und die Software für die Weltmarkt nicht angepasst haben.

    „Japan’s handset makers must focus more on software and must be more aggressive in hiring foreign talent, and the country’s cellphone carriers must also set their sights overseas.“

Es ist natürlich eine Schlussfolgerung, als jetzt iPhone mit ihren starken Software-Anwendungen den japanischen Handymarkt zerbricht. Aber es löst diese Rätsel immer noch nicht, warum die guten japanischen Handys nicht auf den globalen Markt gekommen sind.

Wie gut sind die japanischen Mobiltelefone überhaupt?

    Hardware-Mashup

Als wir hier in Europa noch über den großen Bildschirm begeistert, gehören das große Bildschirm in Japan schon als Standart. Das neuste Produkt von Sharp hat viel bessere Auflösung und Kontras als iPhone. Auch der größte Mobilfunkanbieter Docomo bringt im Sommer 2009 über 10 neue Modelle in den Markt, alle Handys haben eine mindeste Auflösung von 480×800. (iPhone hat eine Auflösung von 480×320)

Für meiste japanische Mobiltelefonhersteller sind es leicht zu realisieren, in neue Technologie auf dem Handy zu integrieren. Zum Beispiel Hitachi nutzt eigene technische Know-How, baut das erste Handy mit HD-Kamera.japhandy

    Das Netz

Das 3G Netz ist in Japan fast schon eine Vergangenheit, stattdessen wird bald Winmax (eine neue Netzstandart) das ganze Tokyo abdecken, eine Geschwindigkeit von Datentransport kann bis zu 70Mbps erreicht werden.

    Das Design

Es ist manchmal nicht zu nachvollziehen, warum das unpraktische Klapphandy in Japan so beliebig ist und die meisten sind viel schwerer und dicker als die westlichen Handys. Es gibt doch ein wichtiger Grund, warum das japanische Handy so unpraktisch ist. Das erläute ich Ihnen in dem nächsten Abschnitt.

    Die Software

Mit der Kritik von Hardware an japanischen Handyhersteller hat NYT natürlich Recht, wenn man die japanischen Handys in globaler Sicht betrachtet. In der Tat sind die meisten Handys sehr nutzerfreundlich.

Die Handyhersteller integrieren vielen neuen Anwendungen auf den Mobiltelefonen, wie zum Beispiel Kamera, Fernseher, GPS, Gesichterkennung, Solarenergie usw. das ermöglicht den Netzbetreiber gute Dienste auf dem Handy anzubieten.

Was können die japanischen Mobiltelefone?

Mit starker Netzverbindung können die japanischen Handys das HD-Fernsehen empfangen und die Nutzer haben auch die Möglichkeit einzelnes Programm aufzunehmen. Die meisten Software wird von dem Netzanbieter entwickelt, deswegen sind solche Dienste relativ stabil und das Software hat auch wenig Bug.

mixiWenn man in der U-Bahn geht, ist das Ticket schon auf dem Handy integriert. Man halt das Handy bei der Eingangskontrolle wird gleich das Ticket auf dem Handy „gestampelt. Auf der U-Bahn liest man die Nachrichten und Blogs von dem größten japanischen Social Community MIXI. Für ein bisschen Aufregung kann man auch auf dem Handy sein Arvatar in World of Warcraft weiter trainieren oder für ein bisschen Entspannung lädt man das neuste Kapitel von seinem Lieblingshandyroman herunter.

Bei Aussteigen sieht man eine Werbung, der QR-Code steht natürlich auch drauf. Kurz mal abfotografieren, man kann nicht nur über den QR-Code die entsprechende Seite aufrufen. Wenn man bei der Zahlung den QR-Code zeigt, bekommt man noch 5 Prozent Rabatt. Auch die Kreditkarte wird auf dem Handy integriert, man zahlt billiger und schneller mit dem Handy.

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Baden ist für die meisten Japaner das Tagesprogramm, entspannt man nach der Arbeit in der Wanne und liest die Nachrichten auf dem Handy. Opps, Handy ist in die Wanne gerutscht! Kein Problem, die japanischen Handys sind wasserdicht.

Wie man sieht, werden die japanischen Mobiltelefone ziemlich nutzerfreundlich gebaut. Aber die oben genannten Funktionen und Dienste hängen stark von den Netzanbieter und die Nutzergewohnheiten ab. Auch das ungewöhnliche Klapphandy ist eigentlich sehr kundenorientiert.

horikitaIn Japan sind die jungen Frauen die größte Nutzergruppe von Mobiltelefon, sie stecken das Handy nie in die Hosetasche, sonder in ihren großen Einkauftasche. Für sie ist die Größe von dem Handy überhaupt nicht wichtig. Wichtig ist, ob das Bildschirm groß genug, ob das Tastatur gut zum Eintippen ist und ob das Handy eine freundliche Farbe hat. Die 21 jährige japanische Film- und Popstar Horikita Maki benutzt zum Beispiel ein Klapphandy, das in beiden Seiten geöffnet werden kann. Das Handy sieht dick und schwer aus, aber damit kann sie in der Badwanne Film gucken.

Warum kommen die japanischen Mobiltelefone nicht in den Weltmarkt?

Japan hat schon eine lange Geschichte mit Mobiltelefonproduktion, aber ein einheitliches System auf dem Handy gibt es immer noch nicht. Wenn ein Handy neu produziert wird, wird auch jedes Programm, auch sogar das ganze Betriebssystem neu geschrieben. Aus dieser Sicht hat Nokia natürlich den Vorteil mit dem System Symbian passende Software darauf zu entwickeln. Auch das Open Sourcen System Android wird das Betriebssystem von Smartphones langsam vereinheitlichen, um eine gemeinsame Softwareentwicklung zu ermöglichen.

Als Android noch keine große Wirkung auf dem Mobiltelefonmarkt gezeigt hat, zerbricht iPhone die Vorstellung von japanischen Mobiltelefonherstellern mit Software. Sie können endlich ein Beispiel sehen, was die Software auf einem guten funktionierenden System bedeutet.

Leider ist die Vortellung von den japanischen Mobiltelefonherstellern über das Hardware so fest verankert, dass sie über das Erfolg von iPhone nur sagte: This is the kind of phone I wanted to make. Sie haben wahrscheinlich noch nicht verstanden, was AppStor bei dem Erfolg geleistet hat. Es geht nicht um iPhone das Gerät selbst, der großte Erfolg von iPhone ist die umfangreichen Softwareanwendungen.

Übertragung von neue Technologie

Das Mobiltelefon in Japan und die westlichen Ländern hat in den letzten Jahren in völlig verschiedenen Richtungen entwickelt. Man kann schwer einschätzen, ob ein dickes aber modernes Klapphandy in Europa gut zu verkaufen ist und ob ein Handy auf dem europäischen Markt wasserdicht bauen soll. Es hängt natürlich stark davon ab, wo die Technologie angewendet wird.

Wenn wir über neue Technologie und ihre Anwendbarkeit sprechen, müssen wir auch die kulturellen Aspekte berücksichtigen. Das haben wir diesmal auf der Frankfurter Buchmesse von der Podiumsdiskussion gelernt. Noch einmal ganz herzlichen Dank an allen unseren Podiumsteilnehmer.

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Zukunftswerkstatt auf der Frankfurter Buchmesse Der virtuelle Mauerfall

3 Kommentare Add your own

  • […] unserem letzten Blogbeitrag haben wir viel über die japanischen Mobiltelefone gesprochen. Wir haben versucht die Frage zu […]

  • […] unserem letzten Blogbeitrag haben wir viel über die japanischen Mobiltelefone gesprochen. Wir haben versucht die Frage zu […]

  • 3. Clemens Pelz  |  19. Juni 2014 um 19:42

    Schon die Vergangenheit hat bewiesen, dass man die kulturellen Unterschiede beachten sollte. Aber mittlerweile verlaufen die Übergänge fließend. Alle mögen das Selbe, wenn es um Smartphones geht und das ist doch mal eine positive Entwicklung🙂

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