Zukunftswerkstatt auf dem Deutsch-Niederländischen Bibliothekentag

1. Oktober 2009 at 22:04 4 Kommentare

Liebe Leser,

vor zwei Tagen habe ich einen Vortrag zur Zukunft der Bibliotheken auf dem Deutsch-Niederländischen Bibliothekentag in Lingen/Ems gehalten. Es hat großen Spaß gemacht. Interessant war vor allem die Tatsache, dass es anscheinend zwischen den deutschen und den niederländischen Bibliotheken große Unterschiede gibt. Viele der Visionen und Ideen der Zukunftswerkstatt werden in den Niederlanden bereits umgesetzt. So hatte ich das Glück, quasi „lebendige“ Best-Practise-Beispiele“ im Zuhörerraum zu haben. Besonders spannend war für mich ein Projekt bei dem ein Teilnehmer zugleich als Unternehmer und als Bibliothekar arbeitete und die Synergien daraus nutzte. Die Bibliothek wurde hier als Teil eines interdisziplinären Netzwerkes gesehen und man entwickelte zusammen kommerzielle Produkte. Das Projekt wird in den nächsten Monaten der Öffentlichkeit präsentiert und mir wurde zugesagt, dass wie sehr bald darüber berichten werden. Zudem freue ich mich sehr, dass viele niederländische Teilnehmer mit uns gemeinsam über neue Wege für Bibliotheken nachdenken möchten. Nach meinem Vortrag – die Powerpoint dazu findet Ihr hier am Ende dieses Posts – wurde ich u.a. gefragt, was denn Computergames mit wissenschaftlichen Bibliotheken zu tun haben sollen. Diese Frage ist nicht ganz unbegründet. Schließlich ist es nicht ohne weiteres möglich, und es erscheint auf den ersten Blick auch nicht sinnvoll, komplexe wissenschaftliche Inhalte über ein Computergame vermitteln zu wollen.

Jedoch: zum Einen können die Technologien der Gamesentwickler helfen, wissenschaftliche Inhalte besser zu verstehen. So können in den Naturwissenschaften Moleküle oder Atome dreidimensional visualisiert werden. Zudem können Wirtschafts- und Politiksimulationen helfen, komplexe ökonomische und politische Systeme zu verstehen. Auch in der Architektur können die Visualisierungstechnologien der Gamesindustrie hilfreich sein. So gibt es eine Vielzahl von Beispielen – wie z.B. den dreidimensionalen OPAC der Viadrina-Universität – bei denen zerstörte historische Gebäude virtuell wieder erstehen. Neben diesen Visualisierungsoptionen kann das Spielen selbst zum Teil der Forschung werden. Und natürlich: Spielen macht Spaß….

Allerdings wird im Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken das Web2.0 weitaus wichtiger sein. Hier stellt sich z.B. die Frage, ob Bibliothekare nicht in größerem Maße Teil von wissenschaftlichen Communities werden sollten. Bis jetzt basieren die weitaus meisten Projekte auf der Neu- oder Weiterentwicklung von Plattformen, zu denen der User kommen muss um Informationen bzw. Inhalte vermittelt zu bekommen. Die Zukunftswerkstatt glaubt, dass es in der Zukunft auch darum gehen wird, zu den Useren zu gehen und Teil ihrer Netzwerke zu werden. Dies ist quasi die Umkehrung des aktuellen Modells. Diese Umkehr wird nicht nur in der virtuellen Welt angedacht. Ich habe auch schon öfter den Vorschlag gehört, dass Bibliothekare in den Vorlesungen sitzen sollten um direkt mit den Studenten über Quellen und Inhalte reden zu können.

Richtig spannend wird es meiner Meinung nach dann, wenn es reine Onlinebibliothekare gibt. Die Idee das Bibliothekare zu 100% online arbeiten ist natürlich nicht neu. Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass man dieser Idee sehr skeptisch gegenüber steht. Wir glauben jedoch, dass sich der Bereich des E-Learnings massiv verbreiten wird. Schon heute kann man unterschiedliche Angebote von der Videoaufzeichnung ganzer Vorlesungen (Podcast) bis hin zu Videokonferenzen mit Dozenten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Hier wäern Online-Bibliothekare eine sehr interessante Idee, denn Sie könnten die Onlineveranstaltungen begleiten.

Letztlich wird es darauf ankommen, dass Bibliotheken und Bibliothekare bereit sind, diese Ideen umzusetzen. Erst wenn wir ausprobiert haben, ob es funktioniert, können wir uns über die nächsten Schritte Gedanken machen. Nun fragen wir Euch: könnt Ihr Euch vorstellen als Bibliothekar zu 100% Online zu arbeiten? Was müsste Eurer Meinung nach geschehen, damit diese Idee umgesetzt werden kann?

Wir freuen uns auf Eure Statements.

Liebe Grüße

Euer Team der Zukunftswerkstatt

Und hier nun die Powerpoint:

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Ergebnisse des Workshops – Strukturen Zur Interkulturellen Zukunft der Bibliotheken

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  • 2. Jürgen Plieninger  |  4. Oktober 2009 um 09:28

    100 % online? Manche in der Katalogisierung arbeiten bereits so … Das zeigt: „100 % online“ ist kein Kriterium für besondere Zukunftsträchtigkeit, tut mir Leid! Es besagt nichts über Inhalt und Qualität der Arbeit aus. Wenn ich die Chance zu einer direkten Kommunikation habe, beispielsweise bei Beratung etc., so ist das weitaus besser, als wenn ich mich hinter meinem Bildschirm verstecke und per E-Mail kommuniziere. Auf eine gute Mischung, auf die richtige Zielsetzung und Umsetzung kommt es an, aber nicht, über welchen Kommunikationskanal das läuft. Ich kann auch wunderschöne eLearning-Angebote machen, die dann nicht genutzt werden, wenn ich nicht den Riecher habe, wo alles ich für das Angebot werbe und es kommuniziere. Und wo auch immer man die Chance hat, in direkte Kommunikation zu treten, face-to-face etwas zu vermitteln, sollte man sie auch nutzen.
    Mein Plädoyer daher: Möglichst vielfältig agieren, die Zielgruppen auf verschiedenen Kommunikationskanälen ansprechen und ihre Bedürfnisse dort bedienen, wo es für sie angemessen ist. Ob das dann face-to-face, auf Papier oder online (mit oder ohne Web 2.0) stattfindet, mißt sich daran, ob man die Zielgruppen erreicht und ihre Bedürfnisse trifft.

  • 3. crocksberlin  |  4. Oktober 2009 um 12:44

    Hallo Jürgen,

    es stimmt was Du sagst. Die Frage mit welchen Technologien bzw. auf welchen Kommunikationskanälen ich versuche meine Kunden bzw. Nutzer zu erreichen ist nur der erste Schritt. Zudem reicht es natürlich nicht aus, einfach online zu sein. Und natürlich geht es um den „richtigen Riecher“ bei der Frage, welches Angebot ich anbiete. 100% Online meint auch nicht, dass Bibliothekare an einem Rechner sitzen und in großen Mengen Mails verschicken. Die neuen Technologien und Herangehensweisen ermöglichen weitaus mehr. Und man kann dort Menschen erreichen, die man auf andere Art und Weise nicht erreichen würde. Trotzdem wird es unserer Meinung nach Bibliothekare geben, die nicht mehr in einer realen Bibliothek arbeiten sondern ihre Dienstleistung auf Onlineplattformen anbieten. Dies bedeutet nicht, dass die von dir angesprochene face-to-face-Kommunikation nicht mehr stattfinden wird. Im Gegenteil wird es in Zukunft darum gehen, einen sinnvollen Mix zu finden. Aber: Um einen Mix anbieten zu können, muss man erstmal unterschiedliche Angebote entwickeln. Deshalb versuchen wir ja Bibliothekare, Archivare und Museologen etc. für diese neuen Technologien zu gewinnen. Wenn sie die Technologien verstanden haben und mit ihnen arbeiten werden sie in Lage sein, eigene Angebote für Ihre Zielsetzung und ihre Zielgruppe zu entwickeln.

    ganz liebe Grüße

    Christoph Deeg

  • 4. sally86  |  15. Oktober 2009 um 20:45

    tolle Visionen habt Ihr, ich bin gespannt auf weitere Entwicklungen der Zukunftswerkstatt

    Gibt es irgendwo eine Seite, wo die Ergebnisse oder Vorträge des Deutsch-Niederländischen-Bibliothekartages zusammengetragen sind?

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