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„Radioaktive Mausefallen, Programmierter Lambada, Plattgequetschte Fliegen” / Powerpointkaraoke In der Wolfsburger Stadtbibliothek – ein kleiner Erfahrungsbericht zum Nachahmen

„Ein Ableger des klassischen Karaoke, bei dem die Teilnehmer keine Liedtexte nachsingen, sondern aus dem Stehgreif einen Vortrag zu ihnen vorher nicht bekannten, zufällig ausgewählten Folien halten“, so beschreibt es Wikipedia und man könnte es nicht treffender zusammenfassen. In der Stadtbibliothek Wolfsburg haben wir die Powerpointkaraoke Mitte Juni nun zum dritten Mal in Kooperation mit dem CoWorkingSpace der Stadt veranstaltet. Im Durchschnitt kamen immer 60 Besucher zu den Veranstaltungen. Während bei den ersten beiden Malen die Gruppe der freiwillig Vortragenden fast identisch war , meldeten sich im Juni völlig andere „Powerpoint-Slammer“ aus dem Publikum, darunter auch einige „Zugpferde“ der hiesigen Poetry-Slam-Szene, die via Facebook auf die Powerpointkaraoke aufmerksam gemacht hatten.

Die Ausstattung: ein abzudunkelnder Raum, Stühle fürs Publikum, Flipchart (Namen der Kandidaten, Ergebnisse), eine Leinwand, Beamer mit Presenter, Laptops, Knicklichter für die Abstimmung (rot und grün), Musik zur Einstimmung, Getränke: bevorzugt Clubmate, Bionade, Fritzcola, Preise für 1. bis 3. Sieger (z.B. 1. Preis: iPod, 2. Preis: USB-Stick, 3. Preis: LED-Leuchte)

Abstimmung mit Knicklichtern

Abstimmung mit Knicklichtern

Die Personen: ein Moderator (bei uns: Christian Cordes, Leiter des CoWorkingSpace in Wolfsburg), zwei Redakteure (der Autor und „sein“ FSJler Jannik Schmiedl – suchen aus der Datenbank spontan geeignete Präsentationen aus), weitere Personen für den Empfangsbereich (Austeilen der Knicklichter, für jeden Gast zwei: grün und rot), Catering.

Die Vorbereitung: rechtzeitig Powerpoint-Präsentationen sichten (eigenes Archiv und Internet, s. bei Google: „Feuerwehr ppt“ !! z.B., slideshare), zusammenstellen und nach unterschiedlichen Bereichen ordnen: Chemie, Mathematik, Ökologie, Gender, Fußball, Feuerwehr (!). Dann: Präsentationen auf ihren Inhalt hin prüfen. Folien mit sehr viel Text sind ungeeignet, man braucht Präsentationen mit möglichst vielen, komplexen und konfusen Graphiken, die während des Vortrages am besten schnell weitergeklickt werden. Besonders lange Präsentationen mit viel Text werden so bearbeitet und gestrafft, dass nur noch die knackigen Tabellen und Graphiken übrig bleiben. Wichtig ist auch die Anzahl der Folien, die eine Präsentation beinhaltet: bei uns waren die Präsentationen mindestens 20 Folien lang.

Der Ablauf: die Gäste erhalten am Eingang jeweils ein Knicklichterpaar zum Abstimmen nach den jeweiligen Runden (grün: die Kandidatin / der Kandidat kommt eine Runde weiter, rot: das wars!). Es melden sich (hoffentlich!) Freiwillige, die in einem Eingangsinterview befragt werden, welche Fächer sie in der Schule am liebsten abgewählt hätten, was sie aktuell arbeiten und wie ihre Beziehung zu Powerpoint-Präsentationen ist. Auf dieser Grundlage wählt die Redaktion während des Interviews eine besonders geeignete Präsentation aus.

Das Interview - wie hältst Du es mit Powerpoint?

Das Interview – wie hältst Du es mit Powerpoint?

Sie soll genau das abbilden, was der Vortragende im Interview gesagt hat: einem Schulfach entsprechen, das der Kandidat auf jeden Fall abgewählt hätte (wenn er gedurft hätte!) und garantiert nichts mit seinem jetzigen Beruf zu tun haben. Pro Kandidat hatten wir ca. 8 Minuten Präsentationszeit vorgesehen, das bedeutet bei einer 20 folienstarken Präsentation ca. 25 sec. pro Folie. Man kann die Folien mit dem Presenter aber auch vollkommen individuell und intuitiv weiterschalten. Kurzum: nach dieser Zeit ertönt ein Huplaut und dann stimmt das Publikum mit den Knicklichtern ab, ob es für den Vortragenden weitergeht oder nicht. In der dritten Runde wurden schließlich die drei Sieger ermittelt und mit den Preisen (s.o.) ausgezeichnet. Ach ja: in der Regel wird zu Beginn ein „Zungenlöser“ angeboten (Jägermeister oder was auch immer), muss aber natürlich nicht.

Der "Zungenlöser"- kann, muss aber nicht!

Der “Zungenlöser”- kann, muss aber nicht!

Fazit: eine Veranstaltung, die total viel Spaß macht und die Vortragenden rhetorisch im Hinblick auf Spontanität und Schlagfertigkeit schult (es spielt übrigens keine Rolle, ob das Publikum bzw. der Vortragende verstehen, was das Thema der Präsentation ist!). Es ist daher auf jeden Fall ein lohnendes Veranstaltungsformat für Bibliotheken, die sich ja im Bereich der Bildung und des Lernens bewegen.

Die Herausforderung: wie hält man den Spannungsbogen über die gesamte Veranstaltung hin aufrecht? Natürlich nur durch die Qualität der ausgewählten Präsentationen.

Ein absolutes Tabu (sollte man nie machen!): Abbildungen von Krebsgeschwüren – auch wenn sie aus noch so wissenschaftlich fundierten Präsentationen stammen – führen zum absoluten Stimmungsnullpunkt im Publikum. Da kann der Vortragende noch so eloquent sein. Über gewisse Themen kann und sollte man einfach nicht scherzen! Schwere Krankheiten gehören für mich seit der letzten Powerpointkaraoke eindeutig dazu.

UN
Nachfragen gern bei Uwe Nüstedt, e-Mail: uwenuestedt@googlemail.com oder unter Tel. 01525-4238341

10. Juli 2012 at 21:07 Hinterlasse einen Kommentar


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