Posts filed under ‘Bibliotheken’

Vortragsinhalte vom #bibtag14 @ZW09

Die Woche in Bremen sollten wir so langsam alle verarbeitet haben. Da ja doch eine ganze Menge Informationen in den drei Vortragstagen auf unserer Fläche zusammenkamen, haben wir die meisten Vortragsfolien, PDF-Dateien, Berichte und Prezis der Redner zusammengestellt:

Gabriele Fahrenkrog und Melanie Kleist – German 23 Mobile Things

Sibylle Rudin und Daniel Tepe – Apps in Öffentlichen Bibliotheken – Ein Werkstattbericht aus Bremen und Liestal

Achim Bonte – SLUB: Servicebaustein FabLab

Gerald Schleiwies – Zeitschriften auf dem iPad – welch ein Papierkram!

Dörte Böhner - OpenBiblioJobs – gemeinsam für den richtigen Job

Meg Backus – Flickr-Account des 4th Floor der Chattanooga Public Library

„Zukunftsgestalter in Bibliotheken“:

Sergio Dogliani – Idea Store: into the second decade/Working the Idea Store way

Corinna Haas - Piraten, Kapitalisten und Bibliothekare: Bericht über die Complicity-Workshops der Berliner Gazette

Tara Radniecki – Making + Innovation = The future of academic libraries

Update:Tara Radniecki -DeLaMare Library: Academic Makerspace Case Study

Beate Rusch und Anja Müller – Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon

Torben Kohring und Cordula Nötzelmann – Lara tanzt mit Kafka – Über die Notwendigkeit von Games in der Bibliothek

 

 

Auch einige Bilder haben wir gemacht:

 

 

Wir freuen uns auf nächstes Jahr, Nürnberg 2015!

2. Juli 2014 at 14:01 Hinterlasse einen Kommentar

Abschied von Fabienne

Fabienne

Fabienne Kneifel, verh. Wassermann ist am 19. Juni 2014, kurz vor ihrem 33. Geburtstag, gestorben. Ihren Namen verbindet man in der Bibliothekswelt sofort mit den Begriffen der Bibliothek 2.0 und dem Katalog der nächsten Generation. Ihre Masterarbeit „Mit Web 2.0 zum Online-Katalog der nächsten Generation“ an der HU Berlin 2008 wurde 2009 b.i.t. Innovationspreis ausgezeichnet. Für das „Handbuch Bibliothek 2.0“ steuerte sie das Kapitel „Katalog 2.0“ bei.

Fabienne kam ganz traditionell über die Liebe zum Buch und über das Lesen zum Beruf der Bibliothekarin. Aber sie brachte noch mehr mit: Neugier, Offenheit und eine ausgeprägte Affinität zu technischen Neuerungen und dem Internet. Auffällig war dabei ihre besondere Schwäche für alles, was mit Äpfeln zu tun hatte ;-) Sie war so unglaublich jung und hat sich doch souverän und mit Sachverstand an der fachlichen Diskussion um das Web 2.0 und seine Potentiale für Bibliotheken beteiligt. Sie hielt Vorträge, schrieb Artikel für Fachzeitschriften und fütterte regelmäßig ihren Blog (the fabilous librarian, bloggte über „bibliothek 2.0, virtuelle auskunftsdienste und andere interessante bibliotheksthemen“). Das alles tat sie sowohl mit Ruhe und Geduld als auch mit echtem Enthusiasmus für die neuen Möglichkeiten des Internets. Ihr hat das alles wahnsinnig viel Spaß gemacht und genau das hat man gemerkt.

Fabienne war Bibliothekarin mit Leib und Seele, klassisch ausgebildet an der Bibliotheksschule Frankfurt und in der Universitätsbibliothek Frankfurt. Sie stand mit beiden Beinen auf dem bibliothekarischen Boden, leitete in der Stadtbücherei Frankfurt das Sachgebiet Katalog. Sie hat den Spagat geschafft zwischen Tradition und Zukunft und war in beiden Bibliothekswelten – 1.0 und 2.0 – zu Hause. Ihr ging es dabei um die Nutzerinnen und Nutzer und dass die Bibliothek in deren Lebenswelten präsent ist. Die wollte sie da abholen, wo sie sind und wenn die sich im Internet tummeln, dann sollte die Bibliothek eben auch dort sein und eine „virtuelle Zweigstelle“ einrichten, um direkt und unkompliziert auf Fragen und Wünsche reagieren zu können.

Sie wurde für ihre unglaubliche Energie, ihren Fleiß und ihre Kreativität geschätzt und bewundert. Was hätten wir gemeinsam mit ihr noch alles reißen können… Mit ihr wären wir gerne auch ins Web 3.0 gestartet! Doch dazu wird es nicht kommen. Ende 2010 wurde bei Fabienne ein Gehirntumor entdeckt, der trotz Operation und zeitweiliger Genesung (mit Zeit für eine Traumhochzeit in ihrer Lieblingsstadt New York) nun zu ihrem Tod führte. Nicht nur die Bibliotheken in Frankfurt und Stuttgart, in denen sie gearbeitet hat, haben eine hochgeschätzte Kollegin und Mitarbeiterin verloren, sondern die gesamte bibliothekarische Community verliert eine innovative Vordenkerin und Gestalterin.

 

Einige persönlichen Erinnerungen von

 

Heike Schniedermeyer

Ich habe Fabienne 2004 auf der Buchmesse am Stand des US Generalkonsulats kennengelernt. Folgerichtig, bei ihrer USA-Begeisterung. Ich war auch schon mehrmals dort gewesen und wir hatten beide Praktika an Goethe-Instituten gemacht (ich in Johannesburg, sie in New York – wo sonst?), es gab also viele Anknüpfungspunkte. Im ersten Kontakt wirkte sie sehr ruhig und eher zurückhaltend. Aber man merkte schnell, dass sie echt was auf dem Kasten hatte. Wir haben uns dann gegenseitig durch unsere berufsbegleitenden Masterstudiengänge in Berlin und Köln begleitet und diese regelmäßigen Treffen, erst in diversen Starbucks-Filialen in Frankfurt (wegen des „USA-Gefühls“, das wir beide so mochten und ihrer Vorliebe für Kaffeespezialitäten mit ellenlangen Namen), später in einem Cafe im 1. Stock eines Schuhgeschäfts an der Frankfurter Hauptwache mit Blick auf eine große Buchhandlung (wegen der frisch gebackenen Waffeln und den witzigen Bodenkissen, auf denen einem Frankfurt zu Füßen lag), waren eine Mischung aus bibliothekarischer Fachsimpelei und Gesprächen über Gott und die Welt.

Fabienne war für mich immer der Blick in die Zukunft, denn sie war begeistert von der neuen Technik und lebte das beruflich und privat. Sie hat mir als erstes gezeigt, wie man auf einem Display wischt und schaute mal kurz nach, wann die nächste S-Bahn fuhr als das noch nicht völlig normal war. Sie hätte mir sicher noch viele andere Dinge gezeigt, von denen ich vorher noch nie was gehört habe. Die muss ich jetzt selbst entdecken. Mein nächstes Handy kann also nur Fabi heißen.

 

Julia Bergmann

Ich bin Fabienne das erste Mal im Zusammenhang mit dem allerersten Auftritt der Zukunftswerkstatt auf dem Bibliothekartag 2009 in Erfurt begegnet. Natürlich war Fabienne dabei und hat uns mit ihrem Enthusiasmus in unserem Vorhaben unterstützt und auch einen Vortrag über das Thema “Virtuelle Zweigstelle” bei uns gehalten. Ich bin sehr froh, dass wir die Vorträge damals alle auf Video aufgenommen haben und ich mir Fabienne jederzeit so lebendig und und tatkräftig ansehen kann, wie ich sie in Erinnerung behalten werde.

Wer mag, kann sich Ihren Vortrag hier nochmal ansehen: Teil 1, Teil 2, Teil 3

Als ich 2010 mit Patrick Danowski das “Handbuch Bibliothek 2.0” herausbrachte, war Fabienne selbstverständlich auch wieder mit von der Partie und hat ein Kapitel zu Ihrem Thema, dem Katalog 2.0 beigetragen.

Auch in den folgenden Jahren haben wir uns sowohl beruflich als auch privat immer wieder getroffen und uns ausgetauscht. Fabienne war jederzeit voller Ideen und neuer Pläne, so dass jedes Treffen ein großes Vergnügen war. Die gemeinsamen Treffen in Fankfurt mit Fabienne und Heike werden mir in bester Erinnerung bleiben und mir jederzeit Ansporn sein.

 

Lambert Heller

Ich habe Fabienne beim ersten BibCamp kennengelernt, das 2008 in Berlin und Potsdam stattfand, und habe dann zwei Jahre später auf der Buchmesse in ihrer Heimatstadt Frankfurt mit ihr gemeinsam einen Beitrag zu Veranstaltungsformen wie BibCamps gemacht.

Fabienne gehörte zu denen, die lange vor dem Hype gesehen hatten, dass wir den Austausch unter FachkollegInnen ganz anders organisieren müssen, als dies z.B. bei den damaligen Bibliothekartagen oder anderen Fortbildungs-Formaten der Fall war, und vor allem hat sie diese Einsicht auch ganz selbstverständlich gelebt. Diese Selbstverständlichkeit, Fabiennes große Neugier, Freundlichkeit und Eigensinnigkeit – mit Fabienne etwas gemeinsam zu unternehmen war einfach eine Wonne.

Die Anfrage vom Zukunftsforum des Börsenvereins des deutschen Buchhandels an uns “BibCamper” war  kurzfristig gekommen. Obwohl ich Fabienne ja nur beruflich kannte war es bei der Buchmesse so, dass wir uns ohne nennenswerte gemeinsame Vorbereitungen, sondern eher “aus der Hüfte geschossen” entschlossen hatten, das gemeinsam zu machen. Wir hatten dann aus bibliothekarischer Sicht den KollegInnen aus der Buchbranche etwas zum Thema Community-Bildung und Botton-Up-Engagement erzählt, was mit großem Interesse aufgenommen und diskutiert wurde.

Fabiennes Tod ist traurig, und dieser Tod ist auch ein Verlust für die ganze bibliothekarische Fachcommunity.

26. Juni 2014 at 17:00 2 Kommentare

Tool der Woche – der 3D-Drucker und sein kleinerer Bruder

Heute geht es um zwei weitere Tools, die wir Euch nicht nur hier vorstellen, sondern auch nächste Woche auf unserer Aktionsfläche in Bremen präsentieren werden. Es sind zwei Verwandte: einmal der 3D-Drucker und dann sein “kleinerer Bruder” der 3Doodler – ein Stift, mit dem sich ebenfalls 3D-Modelle herstellen lassen.
Das erste Mal angewandt wurde die 3D-Druck-Technologie in der Automobilindustrie, mittlerweile sind die Anwendungsmöglichkeiten auch bei Privatmenschen breiter gefächert und der Kreativität kaum Grenzen gesetzt: Ersatzteile für Haushaltsgeräte, personalisierte Schachfiguren, Dekorationsgegenstände, kunstvolle Schmuckstücke, sogar 3D-gedruckte Häuser wie das FabLab Haus in Barcelona wurden komplett aus digital erzeugten Einzelteilen gebaut. Die Auswirkungen für die Zukunft sind so offensichtlich, dass im Zusammenhang mit der 3D-Druck-Technologie von der dritten industriellen Revolution gesprochen wird. Und man kann sich gut vorzustellen, welche Auswirkungen es auf die Gesellschaft hat, wenn immer mehr Privatleute mit dem 3D-Drucker Ersatzteile für ihre Haushaltsgeräte selbst entwerfen, programmieren und ausdrucken und u. U. ganz auf eine kostspielige Reparatur verzichten.
In der Medizin hilft der 3D-Druck sogar schon zeit- und kostenintensive Behandlungen zu optimieren. Faszinierend das Beispiel aus den Niederlanden, bei dem eine 3D-gedruckte Unterkieferprothese implantiert und damit die Operationszeit auf ein Fünftel reduziert wurde.
3D-Drucken ist eine Lebensphilosophie. Ein gutes Beispiel sind die 3D-Druck-und Maker- Community mit Makerspaces und Fab-Labs, Internetplattformen und Foren, die vom Open Source- und Do-it-Yourself-Gedanken geprägt sind.
Was man braucht, um mitzumachen, ist gar nicht mehr so unerschwinglich. So ist das preiswerteste 3D-Drucker-Modell aus dem Haus MakerBotIndustries , der „MakerBot Replicator“ ab rund 1300 Euro zu haben. Zum Modellieren der Vorlagen kann man sich einer einfach zu handhabenden browserfähigen Modellierungssoftware wie z.B. Tinkercad bedienen oder aber auf Vorlagen im Netz zurückgreifen. MakerBotIndustries z. B. präsentiert auf ihrer Plattform Thingiverse zahlreiche 3D-Modelle verschiedener User der Öffentlichkeit.

Aber jetzt erstmal ein praktisches Filmchen und alles weitere dann nächste Woche auf unserer Aktionsfläche:

Wenn man den 3Doodler das erste Mal sieht, muss man unweigerlich an eine Heißklebepistole denken. Der 3Doodler ist ein 3D-Drucker in Form eines Stiftes, seine Entwicklung wurde über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter sehr erfolgreich finanziert.
Die Bedienung erscheint kinderleicht: an der Rückseite des Geräts führt man Kunststoffdraht ein, den ein kleiner Motor zur Sppitze des Stiftes transportiert. 240 Grad Celsius bringen den Kunststoff zum Schmelzen, bevor er durch die Düse austritt und hier gleichzeitig so gekühlt wird, dass er auf der aufgebrachten Oberfläche erhärten kann. Zum Regulieren hat das Gerät einen Fast- und einen Slow-Button, die die Geschwindigkeit mit der der Kunststoff austritt, bestimmen.
Das ist im Grunde schon alles, um mit dem Stift kreativ zu werden. Seht selbst:

28. Mai 2014 at 11:02 Hinterlasse einen Kommentar

Bibliothekartag in Bremen – heute “noch mehr” Gäste der Zukunftswerkstatt in Bremen – Erik Boekensteijn, Jaap van de Geer und Koen Rotteveel mit TWIL und DOKLAB

Vielen wird das Wörtchen TWIL vielleicht noch nichts sagen!? Das wird sich aber ändern, sind wir der Meinung! Denn spätestens nach dem Bibliothekartag in Bremen sollte diese Abkürzung genauso wie DOKLAB in aller Munde sein!  Man muss nur am Mittwoch (4. Juni) während des Bibliothekartages in Bremen genügend Zeit auf der Aktionsfläche der Zukunftswerkstatt einplanen.
Hinter TWIL verbirgt sich „This week in Libraries“, eine wöchentliche Internet-Talkshow mit Erik Boekensteijn, die weltweit über innovative und kreative Projekte in Bibliotheken berichtet und dafür jeweils auch Best-Practice-Bibliotheken und deren Akteure und Konzepte heranzieht.

Erik @ the Cliffs

Erik Boekensteijn (flickr: Sarah Houghton, Librarian In Black https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/legalcode)
Die Talkrunde, die von Shanachie Media, einem Unternehmen von Erik Boekensteijn und Jaap van de Geer, produziert wird, ist eine hervorragende Inspirationsquelle für Bibliotheken, die sich auf den Weg in die Zukunft machen oder bereits gemacht haben.

Jaap at the tidepool

Jaap van de Geer (flickr: Sarah Houghton, Librarian In Black https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/legalcode)
Innerhalb der ebenfalls von Shanachie Media durchgeführten Shanachietour, einer Bibliothekstour durch die USA und andere Länder, spüren Boekensteijn und van de Geer, beide übrigens Gewinner des Mover&Shaker –Preises 2009, regelmäßig innovative Bibliotheken und Konzepte auf.

Koen Rotteveel bij Flickr Multitouch app de Bibliotheek tweedaagse 2011

Koen Rottelveel (flickr: DOKLAB https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/legalcode
Gemeinsam mit Koen Rottelveel, Spezialist für Multitouch- und Multiuser-Konzepte, gründeten die beiden 2012 DOKLAB, ein Unternehmen, das weltweit Bibliotheken, Museen und Archive berät und für sie innovative Konzepte und Produkte entwickelt, die reale und virtuelle Welt miteinander verbinden. Im Vordergrund stehen dabei ein Nutzerzentriertes Design mit Storytelling-Werkzeugen, wie man an dem von Rottelveel mit dem Multitouch Microsoft Surface entwickelten Cultural Heritage Browser gut erkennen kann.

Auf unserer Aktionsfläche könnt Ihr während des Bibliothekartages einen Touchtable sehen und testen, den die Firma utouch aus Großbritannien entwickelt hat. Erik und Jaap haben hierfür die Software entwickelt.  An dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön auch an  utouch für die großartige Unterstützung.

Und hier die Veranstaltungen mit TWIL und DOKLAB am Mittwoch, 4. Juni auf der Aktionsfläche der Zukunftswerkstatt

9 bis 9.30 Uhr:

DOKLAB: “Innovation in Storytelling”

10 bis 11 Uhr:
“Open Idea Workout” (Erik, Jaap, Koen, Meg, Tara und Sergio)

14 bis 15.30 Uhr:

TWIL-Show
(Moderation: Erik und Jaap. Mit Meg, Tara und Sergio)

16.30 bis 17 Uhr:
DOKLAB: “Extreme Library Makeover: Reinventing Spaces and Places”

 

17. Mai 2014 at 08:42 1 Kommentar

Let’s make it! – Die Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. auf dem Bibliothekartag in Bremen und das sind unsere Gäste – heute Tara Radniecki

In diesem Jahr dreht sich bei der Zukunftswerkstatt alles um das Thema “Neue digitale Arbeitswelten”. Unsere Schwerpunkte sind “Raum und Akustik im multimedialen Zeitalter” und die “Maker Space”-Bewegung in Bibliotheken. Zu diesen Themen wird es einiges zu entdecken und auzuprobieren geben auf unserer 300 m² großen Aktions- und Spielfläche. Ganz besonders freuen wir uns auf die Vorträge und Workshops unserer Gäste. Heute stellt sich Tara Radniecki hier vor. Tara arbeitet als Engineering Librarian in der  DeLaMare Science & Engineering Library der Universität von Nevada in Reno und wird am Mittwoch und Donnerstag (4. / 5. Juni) aktiv mit dabei sein bei uns. Am Donnerstag wird sie z. B. über die “Auswirkungen der Maker-Kultur auf wissenschaftliche Bibliotheken” sprechen. Wir freuen uns auf Tara – jetzt lassen wir sie aber erstmal selbst zu Wort kommen.

“Hi my name is Tara Radniecki and I’m so excited to be one of the Zukunftswerkstatt guests at the upcoming Bibliothekartag 2014 conference in Bremen. I am currently the Engineering Librarian at the DeLaMare Science & Engineering Library at the University of Nevada, Reno where we push the boundaries of traditional academic librarianship and encourage our users to go beyond the class assignment to make their own successful learning experiences.
I’ve been invited to speak about Delamare’s makerspace, which is unique for academic libraries in its makerspace mentality, connection to local collectives and hackerspaces, and fostering of innovation and entrepreneurship. I will talk about how this small library was transformed from a quiet, empty building into a full, vibrant knowledge center at the heart of campus. How technology and making were at the core of that transformation and what tools, toys, resources, services, and making-inspired events we provide. The effect on student learning and faculty engagement and success has been overwhelmingly positive and made the library a vital and valued partner in the science and engineering departments.

Tara Radniecki

Tara Radniecki

I will also focus on what I think is ultimately more important than the technology itself – embracing the maker culture in an academic setting. Not every library will be able to finance an expensive 3D printer or have the room for woodworking tools. But making isn’t just expensive printers and robotics, it’s a culture that encourages inclusiveness, learning, innovation, resource and knowledge sharing, creativity, problem solving, and collaboration. I argue that many of these have long been at the core of academic libraries.
For centuries, academic libraries have prided themselves on being the heart of the university. Yet, if we continue to simply cling to content provision and how to access that content we will not only lose our honored place in higher education, but our very existence. I cannot foresee the future, but if the IT department can begin managing electronic journal subscriptions and students can find comfy chairs in the student union, why will the university continue to fund our existence? And which students would be at our defense if they threatened to close our doors? A mind shift towards making and innovation can keep the academic library a vibrant and necessary component of the learning experience in our universities. The academic library is not just a quiet space or an information warehouse, it can and should be the place where our students find their passions and make their futures.”

16. April 2014 at 20:41 1 Kommentar

Innovation nicht nur in großen Bibliotheken

Dieser Beitrag von Prof. Dr. Rudolf Mumenthaler (HTW Chur) erschien im Rahmen der Zukunftswerkstatt-Kolumne in: Bibliotheksdienst. Band 48, Heft 5, Seiten 345–349, ISSN (Online) 2194-9646, ISSN (Print) 0006-1972, DOI: 10.1515/bd-2014-0045, April 2014

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Das Thema Innovation und Innovationsmanagement ist mittlerweile in den größeren Bibliotheken angekommen. Die Notwendigkeit sich als Bibliothek weiterzuentwickeln und neue Dienstleistungen einzuführen, um in der sich immer schneller verändernden Umwelt weiter zu bestehen, wird heute kaum mehr in Frage gestellt.

Verschiedene Bibliotheken – in erster Linie größere Universitätsbibliotheken – haben das Thema Innovation in ihrer Strategie verankert und angefangen, Innovationen systematischer anzugehen. Unter dem Stichwort Innovationsmanagement wurden nach dem Vorbild von Profit-Organisationen Verfahren und Methoden für den Bibliotheksbereich adaptiert. Dabei ist zu beachten, dass es bei Innovation um mehr geht als neue Ideen. Entscheidend sind die Umsetzung von neuen Ideen zu Produkten und Dienstleistungen und ihre erfolgreiche Vermarktung.[1]

Als Einstieg möchte ich auf die Besonderheiten von Innovation und Innovationsmanagement im Umfeld von Bibliotheken eingehen. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Bibliotheken tendenziell als überdurchschnittlich innovativ bezeichnen.[2] Außerhalb der Szene sieht man dies etwas skeptischer. So zweifelt Lukas Schmid, der Leiter des Innovationszentrums St. Gallen, an der grundsätzlichen Innovationsfähigkeit und –willigkeit der Bibliotheken: “Ich bin gar nicht sicher, inwiefern eine Bibliothek überhaupt bestrebt ist, im Sinne einer Geschäftsmodell-, einer Produkt- oder einer Dienstleistungsinnovation ihre Erscheinungsform zu ändern.“[3] Offenbar sprechen der Betriebswirtschaftler und die befragten Bibliotheksverantwortlichen nicht vom Gleichen. Die Aussage der Bibliotheken zeugen davon, dass man die Bedeutung der Thematik erkannt hat und dass man gewillt ist, neue Wege zu beschreiten. Der Betriebswirtschaftler versteht aber unter Innovation (wirklich) neue Produkte und Dienstleistungen. In der Theorie bezeichnet man diese Form als radikale Innovation. Wenn man Bibliotheken fragt, welches konkret die Innovationen der letzten Jahre waren, werden aber keine radikalen Neuerungen erwähnt. Es handelt sich meist um die Verbesserung von Dienstleistungen, die Anwendung neuerer Technologien oder Angebote, die zwar für die jeweilige Bibliothek neu sind, jedoch nicht weltweit erst- und einmalig. Ja, in der Regel sind diese „Innovationen“ nicht einmal für die Bibliotheksbranche neu.

Diese Feststellung klingt zunächst vermutlich etwas entmutigend. Aber aus meiner Sicht ist das wirklich ein Problem. Warum? Bibliotheken operieren nicht – wie die meisten Profit-Unternehmen – auf einem weltweiten Markt. Ihre Kunden und Zielgruppen sind häufig auf eine Institution und ihr Umfeld (z.B. eine Hochschule) oder auf eine Region (Land, Stadt, Gemeinde usw.) beschränkt. Die Bibliothekskunden einer Stadtbibliothek interessiert es kaum, ob die neue Dienstleistung in einer anderen Stadt ebenfalls angeboten wird und dort abgeschaut wurde. Oder die Nutzerin einer Universitätsbibliothek kümmert es wenig, ob ein neuer Service an einer anderen Universität entwickelt wurde und dort schon früher zur Verfügung stand. Es gibt zwar schon einen gewissen Druck, gegenüber anderen Bibliotheken nachzuziehen, weil auch die Nutzerinnen und Nutzer Vergleiche anstellen können. Aber es besteht kaum die Erwartung, dass Bibliotheken neue Technologien erfinden oder als weltweit erste Institution einsetzen. Deshalb können sich Bibliotheken kaum als Pioniere oder sogenannte First Mover definieren, sondern allenfalls als frühe Anwender einer neuen Technologie, also sogenannte Early Adopters.

Das heißt nun für kleinere Bibliotheken, dass es auch für sie durchaus möglich ist, Innovationen zu realisieren. Man darf also bei den Großen oder bei anderen Bibliotheken abschauen und gute Ideen übernehmen. Damit ist die Hürde für Innovationen auch in kleineren Bibliotheken nicht mehr ganz so hoch.

Inwiefern macht ein Innovationsmanagement Sinn? Ich habe schon mehrfach in Diskussionen das Argument gehört, man könne Innovation ja nicht organisieren.

Bild

Abb.1: Screenshot einer Twittermeldung der SuUB Bremen

Für den kreativen Vorgang des Ideenfindens mag dies gelten. Hier geht es vor allem darum, dass man Zeit hat und den Raum, um weg vom hektischen Alltag neue Impulse zu erhalten. Aber wie ich eingangs erwähnt habe, ist Innovation mehr als nur das Finden neuer Ideen. Es geht darum, dass aus diesen Ideen erfolgreiche neue Dienstleistungen und Produkte entwickelt werden. Und hier bietet das Innovationsmanagement den geeigneten Rahmen. Wobei – und hier finde ich die kritische Sicht wiederum wichtig – darauf geachtet werden muss, dass das Innovationsmanagement nicht zu einer bürokratischen Übung verkommt, die eher gute Ideen abwürgt als sie bei der Umsetzung unterstützt. Auf die Methoden des Innovationsmanagements möchte ich hier nicht ausführlicher eingehen, das wurde an anderer Stelle bereits getan.[4] Was kann man aber von diesen an den großen Bibliotheken entwickelten Methoden und Konzepten für kleinere Bibliotheken ableiten? Ich denke, es gibt hier doch einige Grundsätze, die für (fast) alle Bibliothekstypen adaptierbar sind.

Ein wichtiges Element des Innovationsmanagements stellt der Innovationsprozess dar. Entscheidend ist dabei, dass zunächst möglichst viele Ideen gesammelt werden, die guten und erfolgsversprechenden ausgewählt und dann zu neuen Produkten und Dienstleistungen umgesetzt werden. Bei der Ideensuche dienen sowohl Vorschläge von Mitarbeitenden als auch von Kundinnen und Kunden als Basis. Ob man die Ideen der Mitarbeitenden nun in einem kleinen Team regelmäßig bespricht oder ob man dafür in einer größeren Bibliothek bestimmte Kommunikationskanäle definiert, spielt keine entscheidende Rolle. Man muss nur dafür sorgen, dass die Ideen tatsächlich besprochen werden und dass entschieden wird, wer für die Umsetzung verantwortlich ist.

Kundinnen und Kunden kann man auf unterschiedlichste Arten einbeziehen. Was bei den großen Bibliotheken heute unter dem Namen Open Innovation teilweise schon gemacht wird,[5] können auf informellere Weise auch kleinere Institutionen tun. Man kann Kunden zu Workshops einladen und mit ihnen über mögliche neue Dienstleistungen diskutieren, man kann ihre Meinung über Umfragen einholen, die Beschwerden auswerten oder Wettbewerbe veranstalten. Kleinere Bibliotheken haben hier den Vorteil, dass sie meist sehr nah an den Kunden sind und dass informelle Kanäle genutzt werden können.

Wie man das Innovationsmanagement organisatorisch umsetzt, ist bei kleineren Bibliotheken eher eine theoretische Frage. Selbst bei den großen Institutionen wird diese Aufgabe gerne mit weiteren Funktionen verbunden. Geeignet scheinen mir hier vor allem Produktmanagement, Projektmanagement oder Kommunikation. In kleineren Bibliotheken dürfte eine Person mit einem gewissen Arbeitspensum mit der Verantwortung für Innovation, bzw. für den Innovationsprozess betraut werden. Ideen einbringen sollen aber weiterhin alle Mitarbeitenden.

Wenn man Bibliotheken befragt, welches denn die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Innovation sind, wird meistens eine offene Kultur genannt.[6] Dabei spielen natürlich die Vorgesetzten und Bibliotheksleitungen die entscheidende Rolle. Wichtig ist zudem die Eigenmotivation der Mitarbeitenden. Nicht-materielle Anreize stehen für diese im Vordergrund, also eher Lob und Anerkennung als finanzielle Belohnung. Vielversprechend scheinen mir auch unkompliziert vergebene Fördermittel, wie der Wettbewerb „Leuchtturmprojekte an Medizinbibliotheken“[7] oder der Kantonale Bibliothekspreis der Aargauischen Gebäudeversicherung im Kanton Aargau/Schweiz, um nur zwei Beispiele zu nennen. Solche lokale Initiativen können wichtige Impulse verleihen und sind zur Nachahmung empfohlen.

Wie man eher zögerliche Mitarbeitende für Veränderungen und Innovation gewinnen kann, wäre eher Stoff für ein eigenes Buch als für diese Kolumne. Womit wir zum Abschluss bei den innovationshemmenden Faktoren wären. Hier werden in erster Linie die fehlenden Ressourcen genannt. Wobei man unterscheiden muss zwischen fehlenden Finanzmitteln und knappen Personalressourcen. Letzteres ist tatsächlich eine Knacknuss: die neuen Dienstleistungen müssen meist mit dem bestehenden Personal entwickelt und dann auch betrieben werden. Es liegt somit auf der Hand, dass man im Gegenzug auf bisherige Dienstleistungen verzichten muss – und dieser Entscheid fällt nicht leicht. Im Gegensatz dazu sind reduzierte Finanzmittel nicht unbedingt innovationshemmend[8] – aber das sollten wir wohl besser für uns behalten… Aber der Effekt einer Budgetkürzung kann eben auch darin bestehen, dass die Bereitschaft wächst, alte Zöpfe abzuschneiden und mit mehr Kreativität Neues zu schaffen.

Innovation auch für kleinere Bibliotheken? Ich kann die Frage bejahen – entscheidend scheint mir die Bereitschaft, alte Wege zu verlassen, offen zu sein für Neues und sowohl Mitarbeitende wie auch Kunden in die Entwicklung mit einzubeziehen.

 

 

 

 

 

[1] Georgy, U. & Mumenthaler, R., 2012. Praxis Innovationsmanagement. In U. Georgy & F. Schade, eds. Praxishandbuch Bibliotheks- und Informationsmarketing. München: De Gruyter, pp. 319–340.

[2] Georgy, U., 2010. Erfolg durch Innovation: Strategisches Innovationsmanagement in Bibliotheken und öffentlichen Informationseinrichtungen, Wiesbaden: Dinges & Frick. Für die Schweiz wurde das Thema im Rahmen einer Master-Arbeit untersucht: Habermacher, B., 2013. Innovationsmanagement an Schweizer Hochschulbibliotheken. Unveröffentlichte Master-Arbeit (MAS), HTW Chur.

[3] Dudli, M., 2014. Open Innovation in Bibliotheken. Eine Konzeptstudie zuhanden der ETH-Bibliothek Zürich. (Churer Schriften zur Informationswissenschaft; 65, hg. von W. Semar & B. Lutz), Chur: HTW Chur, S.64.

[4] Vgl. dazu die bereits zitierten Publikationen von Georgy (2010) und Georgy/Mumenthaler (2012).

[5] Fingerle, B., 2012. Innovation zum Mitmachen: Die Open-Innovation-Kampagnen der ZBW. Bibliothek Forschung und Praxis, 36(3), pp.346–352.

[6] Vgl. dazu eine Arbeit im Rahmen des Masterstudiums an der HTW Chur von Hüppi, Roland; Mattes, Caroline (2013): Innovation in Öffentlichen Bibliotheken der Deutschschweiz. Unveröffentlichtes Praxisprojekt im Master HTW Chur.

[7]Hentschel, H.: Wettbewerb „Leuchtturmprojekte an Medizinbibliotheken“ 2013: Würdigung der Preisträger. In: GMS Med Bibl Inf 2013;13(3):Doc20; doi: 10.3205/mbi000284

[8] Das zeigt zum Beispiel Jantz am Beispiel US-amerikanischer Bibliotheken: Jantz, Ronald C. (2012): Innovation in academic libraries: An analysis of university librarians’ perspectives. In: Library & Information Science Research, Band 34, Ausgabe 1, 1.2012, S. 3–12

 

 

 

10. April 2014 at 15:20 Hinterlasse einen Kommentar

Let’s make it! – Die Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. in Bremen – und das sind unsere Gäste – heute Meg Backus und Lauren Britton

In diesem Jahr dreht sich bei der Zukunftswerkstatt alles um das Thema “Neue digitale Arbeitswelten”. Unsere Schwerpunkte sind “Raum und Akustik im multimedialen Zeitalter” und die “Maker Space”-Bewegung in Bibliotheken. Zu diesen Themen wird es einiges zu entdecken und auzuprobieren geben auf unserer 300 m² großen Aktions- und Spielfläche.

Ganz besonders freuen wir uns auf die Vorträge und Workshops unserer Gäste, von denen wir heute zwei Gäste aus den USA etwas genauer vorstellen wollen.

Meg Backus ist eine der Expertinnen für unseren diesjährigen Schwerpunkt „Neue digitale Arbeitswelten – Maker Spaces, Fab Labs&Co“. Meg wird unsere Aktivitäten mit Vorträgen und Workshops mit Anwendungen aus dem Makerspace-Universum begleiten. Mit einem Scratch- und einem MaKey MaKey-Workshop am Donnerstag (5. Juni) und Vorträgen über den Makerspace der Chattanooga Public Library und zur Zukunft von Bibliotheken am Mittwoch und Donnerstag.

Meg Backus

Meg Backus

Meg arbeitet als Systems Librarian und Chief Maker auf der sogenannten „Vierten Etage“ der Chattanooga Public Library, die sich als Makerspace-Zone und öffentlicher Raum für Experimentelles über eine Fläche von mehr als 12.000 qm erstreckt. Die hier stattfindenden Veranstaltungen und Workshops haben alle etwas mit dem Thema Lernen, Spielen (Gaming) und Arbeiten zu tun, allerdings – das ist der wichtige Unterschied -soll hier nicht passiv zugehört, sondern aktiv ausprobiert werden. Was es auch sei, ob es sich um Informationsrecherche, Design, angewandte Kunst oder aber um neue Technologien handelt. Zurzeit beschäftigt sich Meg besonders mit der kreativen Handhabung von Arduinos, E-Textilien und MaKey MaKeys.

Aber bereits vor ihrer Zeit in Chattanooga setzte Meg andere innovative Projekte um wie z.B. die Library Farm in der Northern Onondaga Public Library. Gemeinsam mit Thomas Cokey lehrte sie an der Syracuse University u.a. in einem Kurs “Innovations in Public Libraries”.

Eine Teilnehmerin dieses Innovations-Kurses war Lauren Britton, die in ihrer Abschlussarbeit das FabLab in der Fayetteville Free Library realisierte und den Movers & Shakers Award 2013 gewann.

Per Skype werden wir Lauren Britton am Mittwoch nachmittag auf die Fläche der Zukunftswerkstatt zuschalten. Lauren wird dann über FabLabs und Makerspaces sprechen. Lassen Sie sich von dem Ideenreichtum und der Vielseitigkeit unserer beiden Gäste anstecken!

UN

 

9. April 2014 at 12:11 3 Kommentare

Verzweifelt gesucht… Open E-Books in Bibliotheken

Dieser Beitrag von Rudolf Mummenthaler wurde in der Kolumne der Zukunftswerkstatt im Bibliotheksdienst Heft 2/2014 veröffentlicht.

Verzweifelt gesucht… Open E-Books in Bibliotheken

In der Diskussion um Open Access liegt der Fokus bei der Publikation von wissenschaftlichen Beiträgen in Fachzeitschriften. Aber der Grundsatz des ungehinderten öffentlichen Zugangs gilt natürlich auch für Monografien, bzw. E-Books. Noch hat sich hier allerdings kein vernünftiges Verfahren etabliert, wie man als Autorin oder Autor eine Monografie unter einer Open Access-Lizenz bei einem Verlag publizieren kann. Oder anders herum: die Kosten für das „Freikaufen“ eines ganzen E-Books übersteigen die Möglichkeiten von Autorinnen und Autoren massiv.

Ich will jetzt aber gar nicht über mögliche Geschäftsmodelle für den Goldenen Weg bei E-Books reden, sondern darüber, wie Bibliotheken mit Open E-Books umgehen oder eben nicht umgehen. Auf die Problematik aufmerksam wurde ich an der Konferenz OAI8 im Juni 2013 in Genf.[1] Dort berichtete Rupert Gatti von Open Book Publishers[2] über das absurde Phänomen, dass Bibliotheken mit seinem Angebot an Open E-Books nichts anfangen konnten. Erst als er die E-Books seines Verlags via Aggregatoren verkaufte, wurden sie von Bibliotheken gekauft und in ihre Kataloge aufgenommen. OK, diese Open E-Books wären nicht kostenlos (open but not free…) erhältlich gewesen, aber es mutet schon komisch an, wenn erst ein (bestimmt teurer) Umweg über einen Zwischenhändler nötig ist, damit E-Books von Bibliotheken erworben werden.

Wir haben uns auf der Konferenz über die möglichen Gründe unterhalten. Wir sind dabei zur Einsicht gekommen, dass diese freien E-Books den gängigen Geschäftsprozessen in Bibliotheken zuwiderlaufen und dass sie deshalb nicht berücksichtigt werden. Da wäre zum einen das Format: ein E-Book im EPUB-Format liegt als Datei in dem entsprechenden Format vor (z.B. mybook.epub), die auf einer Website zum Download bereitgestellt wird. Nun müsste eine Bibliothek, möchte sie diese Datei in ihren Bestand übernehmen, dieses File auf einem eigenen Server zum Download für ihre Kunden bereitstellen, wenn es nicht in die Plattform eines Verlags integriert ist und von dort bezogen werden kann. Eigentlich wäre ein Repositorium, wie es an vielen Hochschulen betrieben wird, dafür durchaus geeignet. Doch sind diese Repositorien in der Regel nur für Publikationen aus der eigenen Hochschule gedacht und können deshalb nicht als Plattform für beliebige Dateien genutzt werden. Glücklich ist, wer an seiner eigenen Hochschule über eine Plattform verfügt, die geeignet ist, ein E-Book in mehreren Formaten abzuspeichern und anzubieten. In dieser Lage ist man an der ETH Zürich: die ETH E-Collection bietet die Möglichkeit, ein E-Book als EPUB, Mobi und als PDF abzuspeichern und liefert dazu gleich noch eine DOI.[3] Und seit neustem noch den Button zum Download nach Mendeley… Gut, das abgebildete Beispiel ist kein „wirkliches“ E-Book, also keine Monografie, sondern nur ein Artikel aus einem Sammelband. Aber das Prinzip ist das Gleiche. Und über diesen Eintrag in der ETH E-Collection wird das E-Book im Bibliothekskatalog (bzw. dem Wissensportal der ETH-Bibliothek[4]) als „Online-Ressource“ angezeigt und von da an den Gesamtkatalog Swissbib weitergereicht, wo es als „E-Book“ such- und findbar ist.[5] So sollte es eigentlich sein…

Unbenannt1

Abbildung 1: Screenshot aus dem Repositorium ETH E-Collection mit einem E-Book in drei Formaten

Einfacher wird die Aufnahme in den Katalog, wenn das E-Book auch in einer Webversion vorliegt. Darauf sind Bibliotheken und ihre Regelwerke mittlerweile eingestellt, und diese Website lässt sich dann als „Online-Ressource“ katalogisieren. Auf diese Weise hat mich unsere Bibliothekarin an der HTW Chur überrascht, als sie mir mitteilte, sie hätte jetzt mein E-Book über E-Books katalogisiert. Dabei handelt es sich um ein E-Book, das als Website und in verschiedenen Formaten vorliegt – produziert mit WordPress über den Anbieter Pressbooks.[6] Bei der Selbstpublikation von E-Books ist also ratsam, den Inhalt auch über eine Website zugänglich zu machen.

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Abbildung 2: Screenshot der Webversion eines E-Books in der Titelanzeige im Verbundkatalog NEBIS

Zudem spielt bei der zögerlichen Haltung der Bibliotheken gegenüber Open E-Books noch der Aspekt der Qualitätssicherung mit: bei selbstpublizierten E-Books stellt sich die Frage, wie vertrauenswürdig die Quelle, die Plattform oder die Autorin/der Autor ist. Entsprechend tun sich Bibliothekarinnen und Bibliothekare etwas schwer bei der Auswahl, zumal E-Books sonst „bequem“ in Form von Paketen gekauft oder lizenziert werden.

In der Folge bin ich dem Phänomen Open E-Books in Bibliotheken weiter nachgegangen. Ich habe stichprobenartig getestet, ob als Open E-Books vorliegende Klassiker in Bibliotheksbeständen nachgewiesen werden. Dafür ist das Project Gutenberg die ideale Quelle.[7] Hier wurden bisher gegen 44’000 gemeinfreie Klassiker digitalisiert, die unter einer offenen Lizenz in unterschiedlichsten Formaten online angeboten werden. Ich habe den Test mit Ulysses von James Joyce gemacht. Das Werk ist samt Katalogisat auf einer Webseite zugänglich.[8] Einen kleinen Haken habe ich hier allerdings gefunden: es gibt keinen persistent identifier für diese Seite, also weder eine URN noch eine DOI. Eine Recherche in verschiedenen Bibliothekskatalogen und Portalen – unter anderen in Swissbib,[9] dem Gesamtkatalog der Schweizer Hochschulbibliotheken, oder im KVK[10] – hat keinen einzigen Treffer zu diesem E-Book ergeben. Im KVK findet sich zwar eine E-Book-Ausgabe von Ulysses, es stammt jedoch bezeichnenderweise aus einem lizenzierten Paket, das über den Aggregator EBL angeboten wird. Im Angebot der Onleihe (gesucht bei Onleihe Hamburg und beim Ostschweizer Verbund DibiOst[11]) findet sich kein E-Book von James Joyce. In den Online-Stores gibt es den Titel meist zu einem günstigen Preis ($ 0.95 bei Sony, 0.49 € bei Amazon € 1.99 bei Thalia), sogar gratis (im iBookstore) oder zu einem satten Preis von € 9.99 (bei Thalia). Diese E-Books sind in der Regel mit dem DRM des jeweiligen Anbieters versehen und sind somit in der Nutzung eingeschränkt – im Gegensatz zu den Open E-Books aus dem Project Gutenberg.

Zurück zu den Bibliotheken: Aus meiner Sicht wäre es doch für Bibliothekskunden ein interessantes Angebot, wenn sie Klassiker als E-Books ohne DRM beziehen könnten. Wir planen deshalb an der HTW Chur ein Projekt, um eine Plattform einzurichten, welche die für die Integration in Bibliothekskataloge nötigen Voraussetzungen erfüllt. Interessierte Bibliotheken können sich gerne bei mir melden…

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Rudolf Mumenthaler, HTW Chur und Zukunftswerkstatt

Kontakt: rudolf.mumenthaler@htwchur.ch

(c) HTW Chur


[1] http://indico.cern.ch/conferenceDisplay.py?confId=211600

[2] www.openbookpublishers.com

[3] http://e-collection.library.ethz.ch/view/eth:41815

[4] www.library.ethz.ch

[5] http://www.swissbib.ch/TouchPoint/perma.do?q=0%3D%22139670106%22+IN+%5B4%5D&v=nose&l=de

[6] http://mrudolfebooks.pressbooks.com

[7] www.gutenberg.org

[8] http://www.gutenberg.org/ebooks/4300

[9] www.swissbib.ch

[10] http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html

[11] http://www.dibiost.ch

3. März 2014 at 11:04 1 Kommentar

Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2014 gesucht // Zukunftswerkstatt mit tollen Gästen auf dem Bibliothekartag in Bremen

Die Verleihung des Preises „Zukunftsgestalter in Bibliotheken 2014“ findet auf dem diesjährigen Bibliothekartag in Bremen wieder auf der Aktionsfläche der Zukunftswerkstatt statt – da, wo auch zwei besondere Referentinnen aus den USA sprechen werden. Mit Meg Backus und Tara Radniecki konnten wir zwei Expertinnen für den diesjährigen Schwerpunkt der Zukunftswerkstatt „Neue digitale Arbeitswelten- Maker Spaces, Fab Labs&Co.“ – nach Deutschland holen. Backus und Radniecki werden unsere Aktivitäten mit einigen interessanten Vorträgen auf der Aktionsfläche der Zukunftswerkstatt  begleiten. Tara Radniecki ist Academic Librarian an der Reno University in Nevada und Meg Backus arbeitet als System Librarian in der Chattanooga Public Library.

Zukunftsgestalter2014

Für den Preis „Zukunftsgestalter in Bibliotheken“ möchten wir auch in 2014 wieder all diejenigen einladen sich zu bewerben, die in Bibliotheken nach vorne blicken und ihre innovativen Ideen auch konkret in Projekte umsetzen, ob nun allein oder im Team. Natürlich können auch zukunftsweisende Ideen und Projekte anderer Informationsprofis vorgeschlagen werden.

Hier die wichtigsten Punkte:

- der Verlag De Gruyter stiftet den Preis, verliehen wird er in Kooperation mit der Zeitschrift BIBLIOTHEK Forschung und Praxis (BFP) und der Zukunftswerkstatt Kultur- und Wissensvermittlung e.V. im Rahmen des 103. Bibliothekartags vom 3. bis 6. Juni in Bremen.

- man kann sich selbst bewerben oder vorgeschlagen werden. Bei Vorgeschlagenen bitte die Annahmebereitschaft vorab klären.

- Teilnahmeberechtigt sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bibliotheken sowie andere Informationsprofis im deutschsprachigen Raum oder in deutschsprachigen Bibliotheken des Auslands.

- Folgende Unterlagen bitte beim DeGruyter-Verlag als E-Mail-Attachment (senden an: alice.keller@degruyter.com) bis zum 31. März 2014 einreichen: eine max. 3-seitige deutschsprachige Beschreibung des Projektes oder Produktes, die sich auf die unten genannten Kriterien beziehen muss, und eine sehr knappe Kurzbiographie der Kandidatin bzw. des Kandidaten oder der Teammitglieder.

- Prämiert werden zwei Einzelpersonen oder Gruppen. Ausgezeichnet werden konkrete Aktivitäten, die in Bibliotheken selbst, im Umkreis von Bibliotheken oder allgemein bei der Informationssuche bzw. Wissensvermittlung zum Einsatz kommen. (besonders: Projekte und Services, die Nutzer zum Mitmachen anregen oder sich zur Übertragung auf andere Einrichtungen eignen und die entweder im Verlauf der letzten zwei Jahre erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurden oder noch in der Entwicklung sind. Dann sollte das Endresultat aber schon absehbar sein.

- Beide Preise sind mit 500 Euro dotiert. Die Preisträger (Personen oder Teams) erhalten ein Anerkennungszertifikat, präsentieren ihr Projekt während des Bibliothekartags in Bremen und können über ihr Projekt in der Zeitschrift BFP und auf dem Blog der Zukunftswerkstatt berichten.

- eine fünfköpfige Jury, die sich aus Herausgebern der Zeitschrift BFP und Mitgliedern der Zukunftswerkstatt Kultur-und Wissensvermittlung e.V. zusammensetzt, beurteilt die Vorschläge anhand des unten stehenden Kriterienkataloges. Die Beratung erfolgt nicht öffentlich, die Auswahlentscheidung ist endgültig und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt

Und das sind die Kriterien, nach denen die Jury bewertet.

Zukunftsrelevanz: Setzt das Projekt neue Standards für die Zukunft? Wie schätzen Sie dieses Potential ein?
Innovation und Kreativität: Was ist an diesem Projekt innovativ oder kreativ? Bitte geben eine Einschätzung dazu ab.
Übernehmbarkeit: Kann es von anderen übernommen oder für deren Zwecke adaptiert werden? Wie schätzen Sie diese Möglichkeit ein? Welche Tools oder Unterstützung werden zur Verfügung gestellt.
Daneben werden bewertet:
Kooperation: Wie wurden Partner in der Konzeption und Umsetzung eingebunden?
Teilnehmeraktivierung: Hat das Projekt zu einer Teilnehmeraktivierung geführt, wird selbständiges Tun bei Teilnehmenden angeregt? Bitte nennen Sie Beispiele und liefern Sie möglichst einen Nachweis.
Nachhaltigkeit: Wie wird für die Nachhaltigkeit des Projektes gesorgt; inwieweit ist die Innovation dauerhaft? Welche Maßnahmen haben Sie umgesetzt oder sehen Sie künftig vor?
Effekt: Was hat sich in der Institution oder für ihre Services und Kunden positiv bewegt?
Motivation: Was waren Motivation und/oder Anlass für das Projekt?

Die Gewinnerinnen und Gewinner der Jahre 2012 und 2013 werden hier vorgestellt:
http://www.degruyter.com/staticfiles/pdfs/presse/pi240512.pdf und
http://www.degruyter.com/staticfiles/pdfs/presse/pi130313.pdf

Wir freuen uns auf Eure Bewerbung oder Euren Vorschlag.

Kontakt:
Dr. Alice Keller, Senior Editorial Director
Library and Information Science & Reference
De Gruyter Saur, Rosenheimer Str. 143
D-81671 München
Tel. +49 (0)89 76 902-253
Email: alice.keller@degruyter.com

18. Januar 2014 at 12:15 Hinterlasse einen Kommentar

BibCraft – Wie moderne Bibliotheken mit Computerspielen arbeiten können

Dieser Beitrag von Kelvin Autenrieth erscheint in gedruckter Form
im Rahmen der Zukunftswerkstatt-Kolumne in: Bibliotheksdienst 12/2013

Kelvin

Kelvin Autenrieth ist freischaffender Game Designer und Projektentwickler. Für die Zukunftswerkstatt beschreibt er aus außerbibliothekarischer Perspektive, aber am Beispiel bibliothekarischer Praxis, welches Potenzial der Spieleklassiker Minecraft für die Programmarbeit hat. Als Mitbegründer der Facebookgruppe Games4Culture sucht er nach Wegen und Mitteln um Bibliotheksangebote so zu bereichern, dass er diese gerne besuchen würde, wenn er noch einmal jung wäre. Kontakt zum Autor: autenrieth@edu-gaming.de

Bibliotheken und Gaming

Klassische Bibliotheken haben es nicht leicht in der heutigen Zeit. Ebooks, Online-Enzyklopädien, Streaming-Dienste. Es scheint, als würde sich die klassische Bestandsarbeit nach und nach in Luft auflösen. Und auch wenn Bibliotheken schon heute eine Vielzahl an Services und Aktivitäten anbieten, die weit über die Bestandsarbeit hinausgehen, liegt es nur nahe, nach weiteren Betätigungsfeldern, um nicht zu sagen, „Daseinsberechtigungen“ zu suchen. Computerspiele scheinen auf den ersten Blick einen Ausweg zu bieten. So sind sie nicht nur bei Kindern und Jugendlichen äußerst beliebt, auch handelt es sich um das komplexeste und vielfältigste Medium in der Menschheitsgeschichte. Mit Games wird mehr Geld umgesetzt als mit Filmen, es treten zunehmend mehr „Serious Games“ auf die Bildfläche und Diskussionen um das „Kulturgut Games“ und die „Bildungspotenziale von Computerspielen“ nehmen ebenfalls rapide zu. Sind Games also auch für Bibliotheken DAS Medium?

Games: Bestandsarbeit war gestern

Zwar erweist sich das Ausleihen von insbesondere kindgerechten Spielen auf den beliebten Nintendo-Plattformen durchaus als erfolgreich, doch endet der Weg über die klassische Bestandsarbeit unweigerlich in einer Sackgasse: Digitale Distribution, Kontobindung, Einmalaktivierung, Onlinezwang. In einigen Jahren wird nur noch ein Bruchteil aller Spiele zu verleihen sein.

Doch viele Wege führen nach Rom, und somit bestehen auch hier Möglichkeiten, wie Bibliotheken nicht nur der Gaming Kultur Rechnung tragen können, sondern auch dafür ein Ort der Begegnung werden können. Dazu muss jedoch der Glaube daran fallen gelassen werden, dass es hier hinreichend ist, einfach nur die neuesten Super Mario Spiele im Regal stehen zu haben.

Der Kerngedanke hierbei ist, dass Bibliotheken Spielern etwas bieten, was sie Zuhause vor ihren Konsolen oder ihrem PC nicht erleben können. Und diese unique experience (ein Begriff, den der US-amerikanische Bibliothekar und Gaming-Experte Eli Neiburger geprägt hat) besteht in der Projektarbeit. Die Frage ist also, wie die Möglichkeiten und Kompetenzen einer Bibliothek derart eingesetzt und erweitert werden können, damit sich Gamer (und andere) nicht dafür entscheiden, an ihren heimischen Geräten festzusitzen, sondern sich sagen „Lass doch mal in die Bib gehen, die machen da coole Sachen“. Zukunftsmusik? Vielleicht. Wie so ein Projekt aussehen kann, dass skizziert BibCraft.

BibCraft?

Was kommt heraus, wenn das populäre Computerspiel Minecraft und die klassische TV-Sendung Montagsmaler miteinander kombiniert und in einer Bibliothek aufgeführt werden? BibCraft! Hier treten Teams an und bauen bekannte Bücher, Filme oder Computerspiele nach. Dabei müssen sie Teamgeist, Kreativität und Abstraktionsvermögen beweisen; nur so kann durch das mit ratende Publikum eine möglichst hohe Punkteanzahl erreicht werden.

Das Spiel Minecraft war ein regelrechter Überraschungserfolg. Von einer Einzelperson entwickelt und in völlig veralteter Grafik daherkommend, wurde es in kürzester Zeit zu einem Hit. Mittlerweile hat es sich über 20 Millionen Mal verkauft und ist auf fast allen Plattformen spielbar.[1] Davon können selbst die Hersteller bekannter Titel nur träumen. Das Spielprinzip ist ebenso schlicht wie einzigartig: In einem freien Spiel kann der Spieler mit verschiedenen Klötzen Gebilde bauen. Dabei wird ihm kein Ziel vorgegeben. Es liegt alleine an ihm zu entscheiden, was er errichten möchte. Ob einfache Häuser, umfangreiche Burgen oder eine Nachbildung des Raumschiffs Enterprise – der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt, wie die Spieler gewissermaßen im LEGO der digitalen Generation tagtäglich unter Beweis stellen.

Auch das Prinzip von Montagsmaler ist ebenso einfach wie zeitlos: Klassisch treten Teams gegeneinander an und müssen dabei gemalte Begriffe erraten. In den 1970er Jahren war es in einer TV-Show bekannt geworden, und bis heute erfreut sich das Spiel bei Alt und Jung als Partyunterhaltung größter Beliebtheit.

Hier tut sich die Verbindung zum Spiel Minecraft auf. Nun wird allerdings nicht gemalt, sondern gebaut! Die Spieler müssen hierbei mit Hilfe von virtuellen Bauklötze Begriffe darstellen. Das Team bekommt eine kurze Vorbereitungszeit zugestanden. Ideen werden abgesprochen, Aufgaben verteilt: Wie bauen wir möglichst schnell ein Auto? Wie lässt sich Liebe symbolisieren? Wie kann Goethes “Faust” dargestellt werden? Das Team muss koordiniert vorgehen, damit ihr Bauwerk schnell vom Publikum erraten wird.

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Abb.1: Training für das Montagsmaler-Event in Wolfsburg. Foto: Uwe Nüstedt

Rund um das Thema „Bibliothek“ lässt sich eine Vielzahl an Kategorien vorgeben: Zunächst natürlich „bekannte Werke“ wie etwa „Der Herr der Ringe“, „Wilhelm Tell“ oder „Dracula“. Um dem multimedialen Angebot einer modernen Bibliothek gerecht zu werden, können Filme (Matrix, The Green Mile, Das Boot), Musik (Stairway to Heaven, Yellow Submarine, Another Brick in the Wall) und Computerspiele (Pong, Tetris, Super Mario) hinzutreten. Doch auch Comics (Batman, Die Schlümpfe, Asterix und Obelix), Märchen (Schneewittchen und die sieben Zwerge, Die goldene Gans, Rapunzel) oder klassische Gesellschaftspiele (Schach, Die Siedler von Catan, Monopoly) lassen sich in Minecraft darstellen – auch hier können die Teilnehmer ihrer Fantasie freien Lauf lassen!

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Abb. 2: Gesucht wird ein bekanntes Märchen

Einsatzmöglichkeiten

BibCraft kann in unterschiedlichen Versionen eingesetzt werden. Es kann als Event, als reguläres Bibliotheksangebot oder als Online-Wettkampf stattfinden.

Als einmaliger Event findet es in einem bestimmten Rahmen statt, etwa zu einem Jubiläum oder einem Themenabend.[2] Die Verwendungsmöglichkeiten sind derart breit gefächert, dass sich durch eine Fokussierung bestimmter Begriffsbereiche schnell Schnittstellen bilden lassen. Wenn also ein Themenabend zu Klassischer Literatur, kritischen Kriegsfilmen oder Neuen Medien stattfindet, so kann BibCraft jeweils darauf angepasst werden. Dabei geht es weniger um eine Vermittlung von Faktenwissen, sondern um eine spannende und kreative Begegnung zwischen Spielern und Nicht-Spielern, die darüber hinaus durch ihren interaktiven Charakter einen großen Unterhaltungswert besitzt.

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Abb. 3: Es könnte sich um einen Songtitel handeln.

Als Bestandteil eines regelmäßigen Angebots einer Bibliothek kann durch BibCraft erreicht werden, dass auch junge „digitalisierte“ Menschen gerne die Bibliothek aufsuchen. Geschultes Personal vorausgesetzt, können allerlei Vorhaben mit dem Spiel umgesetzt werden: Ob interne Wettbewerbe, Themenabende oder auch anderweitige Verwendungen von Minecraft; es gibt viel zu spielen, zu entdecken und zu lernen.[3] Neben den rein kreativen Auseinandersetzungen bietet das Spiel nicht nur Potenzial zu kooperativ-kompetitiven Verwendungen, sondern auch Raum um sich Grundlagen der Gestaltung, Programmierung oder gar Städteplanung spielerisch zu erarbeiten.[4]

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Abb. 4: Gesucht wird ein Begriff aus der Kategorie “Bekannte Brettspiele”

BibCraft wird ebenso als ein Online basierter „interbibliothekarischer“ Wettkampf konzipiert. Dabei treten verschiedene Minecraft Teams der teilhabenden Bibliotheken regelmäßig gegeneinander an und bauen um die Wette. Durch eine zentrale Server-Architektur sowie eine Moderation können die Teams der Bibliotheken gegeneinander antreten. Dieser Online-Wettkampf dient ebenso der Vernetzung deutscher Bibliotheken, besitzt das Potential zur intergenerativen Integration und zeigt dabei zudem, wie moderne Wissensvermittlung, Bibliotheksarbeit und gemeinsames spielerisches Erleben Hand in Hand gehen können.

[1] vgl. http://www.onlinewelten.com/games/minecraft/news/pc-verkaufszahlen-knacken-marke-12-millionen-122943/

[2] Beispiele für anlassbezogene Minecraft-Workshops bietet die Stadtbibliothek Wolfsburg: http://stadtbibliothekwolfsburg.wordpress.com/tag/minecraft/ bzw. http://stadtbibliothekwolfsburg.wordpress.com/2013/10/07/da-staunt-ihr-bauklotze/ zur Jubiläumsveranstaltung “Da staunt Ihr Bauklötze!”

[3] vgl. Medienpädagogik Praxisblog: http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2012/06/14/tutorialwelt-fur-minecraft-projekte/

[4] Die Medienpädagogik hat Minecraft daher bereits seit einiger Zeit für Projekte entdeckt: http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2012/11/27/lego-minecraft/

24. Dezember 2013 at 14:12 2 Kommentare

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